IWF: Ratingagenturen fördern Instabilität

Herabstufungen der Kreditwürdigkeit eines Landes haben bedeutende Auswirkungen auch auf andere Länder

Man kann seit etwa zwei Jahren beobachten, wie über zum Teil absurde Abstufungen der Kreditwürdigkeit die Zinsen für Staatsanleihen und die Kosten für Kreditausfallversicherungen (CDS) in die Höhe geschraubt werden. Das beste und aktuellste Beispiel ist Portugal. Erst letzte Woche wurde die Bonität des Landes deutlich zurückgestuft, so dass die Zinsen erneut stiegen. Bei einer kurzfristig angesetzten Versteigerung musste Portugal am Freitag für Anleihen mit eine Laufzeit von nur 15 Monaten schon 5,8% Rendite bieten. Im Juli 2010 war es noch gut die Hälfte. Am Sekundärmarkt werden zehnjährige Anleihen schon mit fast 9% gehandelt. Besonders dramatisch ist, dass fünfjährige Anleihen sogar schon teurer sind und mit fast 10% gehandelt werden.

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Vor 16 Monaten hatte die Ratingagentur Moody's zu Unrecht damit begonnen, das Land in einem Atemzug mit Griechenland zu nennen und den "langsamen Tod" Portugals prophezeit. Bemüht wurde gerne die falsche Einschätzung, wonach Portugal hoch verschuldet sei. Dabei liegt die Staatsverschuldung unter dem EU Durchschnitt, unter der Frankreichs und nur leicht über der Deutschlands. Für Anleihen, wie sie am Freitag ausgegeben wurden, bezahlte Portugal im Dezember 2010 etwa 1% Zinsen. Die gesteigerte Zinslast, gepaart mit einer schrumpfenden Wirtschaftleistung, führte dazu, dass das Land auch seine Sparziele nicht erfüllen konnte. Statt das Haushaltsdefizit von 9,3 auf 7,3 zu senken, ging es trotz des harten Sparkurses nur auf 8,6% zurück. Diese Tatsache, gepaart mit der politischen Krise nach dem Rücktritt der Regierung, gibt den Ratingagenturen neue Munition und wird für Schockwellen in anderen Ländern sorgen, wie eine neue IWF-Studie aufzeigt.

Diese fatale Entwicklung wird offenbar auch im Internationale Währungsfond (IWF) registriert und macht die große Finanzorganisation nervös, weshalb in Washington deutlichere Töne angestimmt werden. Das liegt im Trend unter der Führung von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Deutlich mahnende Worte, wie sie in der neuen Studie zur Rolle der Ratingagenturen nun in der letzte Woche zu lesen waren, konnte man unter der Führung des Vorgängers, des konservativen Spaniers Rodrigo Rato, nicht lesen. So warnte der IWF erst kürzlich davor, dass angesichts fehlender Reformen an den Finanzmärkten die "Saat für die nächste Krise" ausgelegt werde. Dazu kommen auch die Warnungen vor der enormen Verschuldung der Staaten oder die Gedanken darüber, den Dollar als Leitwährung abzulösen.

In dieses Umfeld reiht sich auch die Studie von Rabah Arezki, Bertrand Candelon und Amadou Sy ein. Sie haben die Auswirkungen von Ratings auf die europäischen Finanzmärkte im Zeitraum zwischen 2007-2010 untersucht. "Our main finding is that sovereign rating downgrades have statistically and economically significant spillover effects both across countries and financial markets", wird als wesentliches Ergebnis festgehalten. Also wurde bei den 71 Einschätzungen durch die drei großen Ratingagenturen, Moody's, Fitch und Standard and Poor’s (S&P), die im Untersuchungszeitraum liegen, statistisch und wirtschaftlich relevante Auswirkungen auch auf andere Länder und Finanzmärkte festgestellt.

Wie in der Studie zeigt, haben die Abstufungen von Ländern wie Griechenland jeweils auch Spill-over-Effekte auf andere Länder und insgesamt wird noch vorsichtig resümiert, dass die Bewertungen von Ratingagenturen "die Instabilität befördern können". Besondere Auswirkungen hätten Abstufungen, wie die von Fitch am 8. Dezember 2009 gehabt, als Griechenland von der Note "A-" fast auf Ramsch-Status "BBB+" abgestuft wurde. Derlei Abstufungen hätten Auswirkungen durch die Euro-Zone gezeigt und die Kreditausfallversicherungen verteuert. Hier sollte nicht vergessen werden, dass Portugal in der letzten Woche von Moody's mit "BBB-" auf die letzte Stufe vor dem Ramsch-Status abgestuft wurde. Danach zog Fitch sofort nach, und stufte gleich um drei Stufen auf "BBB-" herab. Da gleichzeitig auch noch die Note Irlands auf BBB+ gesenkt wurde, dürften sich die Spill-over-Effekte bei Spanien und anderen Ländern sehr bald zeigen.

Wieder einmal sind angesichts der Politik der Ratingagenturen harsche Worte aus Brüssel zu hören. Doch kann man derlei Gedöns kaum noch ernst nehmen, wenn die EU-Kommission schon wieder Maßnahmen ankündigt, aber in zwei Jahren nichts geschah.

Nun wird aus Brüssel gedroht, dass man zukünftig die Bonitätsprüfer zur Rechenschaft ziehen wollen, wenn sich herausstellen sollte, dass eine Agentur ein Land unangemessen bewertet hat. Wie das gehen soll, ist völlig unklar, denn ein Nachweis dürfte schwer fallen. Aus den Plänen einer europäischen Ratingagentur wurde ebenfalls nichts, obwohl die drei großen Agenturen mit Sitz in New York und London zentral mitverantwortlich für den Ausbruch der Finanzkrise waren. Sie waren es, die strukturierten Wertpapieren sogar Bestnoten verpasst hatten, auch wenn diese extrem risikoreich waren. Dazu kam, dass sie der US-Bank Lehman Brothers bis zum Zusammenbruch noch die Bestnote ausgestellt haben. Man kann dahinter versagen sehen oder aber strukturell ihr Geschäftsmodell verantwortlich machen.

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