Ich kenn Dich, aber ich mag Dich nicht

Neben der Spur

Sommerthema DIGITAL LEBEN: Ein Innenminister will, dass wir alle mit Klarnamen im Netz zu finden sind. Klar, das löst alles Ungemach

Danke Nico Lumma. Gut gesagt, es sind ja eigentlich auch zwei Innenminister, die uns immer wieder ins Gewissen reden. Gut, sie kommen aus einer Partei, aber das entschuldigt ja seit ihrem Ministerpräsidenten schon lange nichts mehr.

Der eine läutet das Ende der Anonymität ein, sozusagend bundesweit. Und es gibt einen Innenminister in einem vorsichtigen Bundesland, der de:official&client=firefox-a: ständig warnt. Dass das Internet so gefährlich sei. Dass man da besser aufpassen solle. Vor allem seit diesem Anschlag in Norwegen. Das sei ja so gefährlich. Wir wissen, natürlich auch, dass die Leichen von Tausenden von Internetopfern vor seiner Staatskanzlei liegen und dass dringend das Internet totalüberwacht gehört. Dann wäre alles in Ordnung. Und Ordnung ist wichtig in Bayern, zumindest für Joachim Herrmann. Und sein Spezl Friedrich nennt die Nutzer gerne beim Namen.

Wir wissen auch, dass das normale Leben ohne Internet schon längst ungefährlich geworden ist. Menschen reissen im Supermarkt ständig ihre Pässe aus den Taschen und brülllen ihre Klarnamen in Richtung Bananenregal. Sie kaufen nur noch ein, wenn sie vorher ihre Bonität an alle per Flugblatt verteilt haben. Kindermissbrauch hat AOL eingeführt, und dort haben es Geistliche entdeckt. Ach ja: Bin Laden war ein Surfer vor dem Herrn.

Also aufgedeckt, was da surft und kreucht. Transparenz ist eine Bürgerpflicht. Was für Telefonspiele nachts um 3.00 Uhr gilt, soll auch für das Web gelten: die Rosi aus Traunstein ist auch die Rosi aus Traunstein. Oder Herrmann schaltet sie ab. Oder Friedrich ruft sie schlecht aufgelegt persönlich an.

Aber halt. Genug der Schelte. Man will ja auch nicht an den Falschen kommen. Keine Frage, schon gar nicht bei so sensiblen Themen wie der Partnerwahl. Vor allem, wenn man schon einmal im normalen Leben (vulgo: Vita Herrmanna) so richtig in die Partnerkacke gelangt hat. Quasi.

Wie schön, dass es in der Schweiz jetzt SinglEltern.ch gibt, das jedem Bewerber der Datingplattform als Service auf den Zahn fühlt. Das beruhigende Konzept geht laut Eigenwerbung so:

Was Sicherheit anbelangt, bestehen in unserem Service Massnahmen, um Probleme zu vermeiden: eine schweizerische Telefonnummer wird von jedem neuen Mitglied erhalten. Das Service unternimmt einen Bestätigungsanruf an diese Nummer, bevor das neue Profilkonto aktiviert wird.

Will heissen: Wer Schweizer ist, ist OK und mit Klarnamen abgeklärt. Böse Eidgenossen gibt es nicht einmal im Film. Aber aufgepasst. Schon in Konstanz fängt die fiese Welt an, denn das Böse kann nur von aussen kommen. Bayernminister Joachim Herrmann wird eine Träne des Glücks weinen. Denn der Klarname fördert auch die klare Zuordnung in klare Welten. So soll es sein, so war es in Bayern schon immer Brauch. So sollte man das in Bayern auch einführen. Der Rest ist Internet, bäh und wahrscheinlich nicht von hier.

Schade, dass ich nicht anonym schreibe. Jetzt ruft mich sicher Minister Friedrich an. Wie ich es hasse, jede Nacht das gleiche Kasperltheater...