"Ich rechne Euch den Strom jetzt nach der Uhrzeit ab"

Energiesparen nach dem Modell "Aktienmarkt"?

Energie-Sparfuchs-Kühlschränke und -Waschmaschinen hat Telepolis-Fachmann Craig Morris schon 2003 prognostiziert: „Sie können ihren Kühlschrank so einstellen, dass er bei einem bestimmten Preis automatisch abschaltet, sofern gewisse Temperaturen nicht überschritten werden. Dafür legt er gnadenlos zu, wenn der Strom billig ist. Das Gleiche gilt für Ihre Waschmaschine und andere Haushaltsgeräte.“

Im selben Artikel, der dem „intelligenten, dezentralen Energiemanagment“ auf der Spur ist, träumt ein ungeduldiger Ingenieur von besseren Zeiten: „Ich warte eigentlich auch nur drauf, dass ein gewiefter Stromanbieter kommt und sagt: Passt mal auf, liebe Privathaushalte, ich rechne Euch den Strom jetzt nach der Uhrzeit ab. So könnte man versuchen, Überkapazitäten und Lastspitzen abzubauen.“

Genau dies wird nach einer Meldung der Washington Post derzeit in den USA in Modellversuchen erprobt: die Energieversorgung zu Stromtarifen, die sich stündlich ändern.

Zwar gibt es die dazu gehörigen schlauen Haushaltsgeräte, die computergesteuert auf die unterschiedlichen Preise einstellen, auch hier nur im Möglichkeitsraum. Aber die Feldversuche laufen dennoch auf einem, was die Kommunikationstechnik anbelangt, zeitgemäßen Niveau.

So werden Bewohner von Washington D.C. per E-Mails, die zu Spitzenverbrauchszeiten im Sommer und im Winter, „alle paar Stunden“ von ihrem Stromversorger Pepco versandt werden, über die vorrausichtlichen Strompreise in der allernächsten Zukunft unterrichtet. Schalten die Teilnehmer ihre Geräte zu bestimmten Hauptlastzeiten ab, wird das mit Vergünstigungen bei der Abrechnung belohnt. An manchen Klimanlagen ist ein "smarter Thermostat" angeschlossen, der auf ein Funksignal des Stromzulieferers hört und bei hohen Preisen für 15 bis 30 Minuten zurückfährt.

Ein anderes Modell des Feldversuches in Washington D.C. sieht vor, dass sich die Tarife schon im vorhinein danach richten, ob die Haushalte ihre Elektrogeräte auch zu Hauptlastzeiten des Stromnetzes benutzen. Dafür berappen nach Informationen der Washington Post manche Haushalte gar das Achtfache des Durchschnittspreises. In anderen amerikanischen Bundesstaaten setzt man auf Stromzähler, welche stündliche Kosten erfassen können; Sparprogramme mit Pilotprojekten laufen in Virginia, Maryland, Florida und Kalifornien.

Die Kosten für geeignete Stromzähler bei schätzungsweise 35 Millionen bundesdeutscher Haushalte ist genau das Problem, das von einem großen Energieanbieter gegenüber Telepolis als Argument gegen tagesunterschiedliche Tarife angeführt wird. Sie müssten laufend neu programmiert werden, technisch sei das machbar, finanziell sei es aber noch ein weiter Weg, bis eine flächendeckende Ausstatttung der Haushalte möglich sei. Bislang gibt es in Deutschland, anders als etwa in Frankreich, nur den Tages-und den Nachttarif.