Immer Montags gegen FED und für den Frieden

Neue Montagsdemonstrationen: "Mischung aus verschwörungsideologischem Denken, rechtsesoterischer Lyrik, zutiefst antisemitischer Bildsprache und Truther-Propaganda"

Es gab in den vergangenen zwei Jahrzehnen diverse Protestbewegungen, die unter dem Begriff Montagsdemonstration an die Manifestationen am Ende der DDR anknüpfen wollen. Aktuell gibt es eine neue Bewegung der Montagsdemonstrationen , die sich hauptsächlich über das Internet koordinieren. An 23 Orten soll es bereits verschiedene Aktivitäten gegeben haben. In einigen Städten sind es Mahnwachen, in anderen Kundgebungen und in manchen auch Demonstrationen . Am kommenden Montag soll sich die Bewegung noch ausweiten.

Auffallend ist die vage moralische Zielsetzung, "Wir wollen Frieden in der Welt", "Für eine friedliche Zukunft": Das ist so unbestimmt, dass wohl niemand dagegen ist. Dann taucht doch ein Gegner auf. "FED provoziert Krieg", lautet das Motto. Die US-Notenbank ist eine Projektionsfläche für allerhand Verschwörungstheorien, nicht selten mit antisemitischen Untertönen.

Einer der Ausgangspunkte dieser neuen Montagsbewegung ist ein neuneinhalb Minuten langes Video unter dem Titel "Anonymous – Nachricht an die deutsche Bevölkerung" . Die Medienkritikerin Elke Wittich sagt polemisch, aber zutreffend: "Der Inhalt des neuneinhalb Minuten langen Machwerks, in dem außer den 'Chemtrails' fast keine Verschwörungstheorie, ausgelassen wird, lässt sich so zusammenfassen: Die Hacker-Gruppe 'Anonymous' ruft unter anderem zum Kampf gegen 'Tabuthemen, Geschichtsfälschung, Gehirnwäsche, Masseneinwanderung' auf, hält Deutschland für 'ein besetztes Land' und Feminismus ebenso wie 'deutsches Schuldbewusstsein' für das Allerletzte, weil damit das 'deutsche Volk' versklavt oder ausgerottet werden soll. Pathetisch verkündet Anonymous: 'Die Korrupten fürchten uns. Die Ehrlichen unterstützen uns. Die Heroischen schließen sich uns an.'"

Auf der Internetplattform Ruhrbarone wurde über das "Video im Nazi-Style" polemisiert. Auch in Hackerkreisen sorgt das nationale Comingout von Anonymous für Verwirrung, Verärgerung und Spott.

In Berlin tritt ein vorher nicht politisch in Erscheinung getretener Lars Märholz als Anmelder und Organisator der Montagsdemonstration auf. Mittlerweile wächst die Kritik an seinen Umgang mit Kritik und seinem mehr als zweifelhaften politischen Umfeld. Ein Bildmotiv auf Märholz' Facebookseite stellt beispielsweise die Bankiersfamilie Rothschild als Monster dar. Wenn Märholz in einem Interview erklärt: "Woran liegen alle Kriege in der Geschichte in den letzten 100 Jahren? Und was ist die Ursache von allem? Und wenn man das halt alles 'n bisschen auseinander klabüsert und guckt genau hin, dann erkennt man im Endeffekt, dass die amerikanische Federal Reserve, die amerikanische Notenbank, das ist eine Privatbank, dass sie seit über hundert Jahren die Fäden auf diesem Planeten zieht", muss man sich schon fragen, ob er die FED auch beschuldigt, für die beiden Weltkriege verantwortlich zu sein.

In diesem nach Rechtsaußen anschlussfähigen ideologischen Sammelsurium mischen auch esoterische Reichsbürger mit, für die das deutsche Reich noch immer besteht. Dazwischen tummeln sich politisch nicht festgelegte Menschen, die über Internet von den Demonstrationen erfahren haben.

In den ersten Wochen wurden diese Demos gegen die FED und alles Böse nicht weiter ernst genommen. Doch nachdem die Anzahl der Teilnehmer gewachsen ist, artikulieren sich auch die Kritiker deutlicher. So warnen linke Jugend- und Studierendenorganisationen vor der Teilnahme vor einer am 14.4. in Magdeburg geplanten Montagsdemonstration, die mit Slogans wie "Wir sind das Volk", "Gegen die Todespolitik der Federal Reserve" und "Für eine ehrliche Presse" mobilisiert. Die Kritiker monieren in dem Aufruf und bei den Unterstützern eine "Mischung aus verschwörungsideologischem Denken, rechtsesoterischer Lyrik, zutiefst antisemitischer Bildsprache und Truther-Propaganda".

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