In Afghanistan wurde erstmals wieder seit 2001 ein junges Paar von den Taliban gesteinigt

Auch im Iran ist das Schicksal von Ashtiani noch ungewiss, deren Steinigung bislang nur aufgeschoben wurde

Die Taliban wenden die grausamen und archaischen Methoden weiter an, die sie auch vor dem Sturz ihres Regimes 2001 eingesetzt haben, um mit der Verbreitung von Angst und Schrecken die Herrschaft des fundamentalistischen Islam . Wer als Spion gilt, wird exekutiert. In der westlichen Provinz Badghis wurde erst am 9. August eine schwangere Frau ausgepeitscht und mit Schüssen getötet, weil sie Ehebruch begangen haben soll.

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Wie auch afghanische Medien berichten, sollen Taliban in einem von ihnen kontrollierten Dorf in der Provinz Kundus, für die die Bundeswehr zuständig ist, ein junges Paar am Wochenende zu Tode gesteinigt haben. Der Gouverneur Mohammad Ayub sagte, die 23-Jährige anderswo ist von einer 20-Jährigen die Rede - und der 28-Jährige seien deswegen gesteinigt worden, weil sie eine Affäre gehabt hätten. Sexualität, vor allem wenn es die Freiheit von Frauen betrifft, ist für die islamischen Fundamentalisten nicht zu ertragen. Unabhängig davon, dass Frauen (und manchmal auch Männer) aufgrund von Affären überhaupt bestraft werden, ist die Steinigung eine besonders grausame Tötungsmethode. Die Frauen (und Männer) werden bis zur Brust eingegraben, um ihren Peinigern völlig ausgesetzt zu sein. Um den Tod grausam und langsam von sich gehen zu lassen, wie dies auch bei mittelalterlichen Todesspektakeln für die Öffentlichkeit der Fall war, sollen nicht zu große Steine geworfen werden.

Ein Taliban-Führer hat die in der Öffentlichkeit ausgeführte Steinigung vor 150 Männern - die Frauen scheinen daran nicht teilgenommen zu haben - nach Medienberichten bestätigt. Das Paar sei ausgerissen, sagte er, und sei deswegen aufgrund ihres Eingeständnisses zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Die junge Frau soll bereits verlobt, der Mann mit einer anderen Frau verheiratet gewesen sein, beide sollen sich tagelang im Haus eines Freundes versteckt haben, bis sie von den Taliban entdeckt und verurteilt wurden. Es wird aber auch berichtet, das Paar sei in ihr Dorf zurückgekehrt, nachdem die Familien ihnen verziehen haben sollen. Getötet wurden sie von den Taliban getrennt, zuerst die Frau, dann der Mann.

Wie Amnesty berichtet, wurde die Steinigung zwei Tage nach der Forderung des höchsten islamischen Gremiums des Landes, dem Rat der Ulama, nach einer strikteren Anwendung der in der Scharia vorgesehenen Körperstrafen vollzogen. Damit soll die afghanische Regierung den Taliban entgegen kommen, um den Krieg zu beenden. Nach Angaben von Amnesty handelte es sich um erste Steinigung, die nach dem Ende des Taliban-Regimes 2001 bekannt wurde. Die Menschenrechtsorganisation fordert die afghanische Regierung auf, eine Versöhnung mit den Taliban nicht auf Kosten der Menschenrechte von Frauen und Minderheiten zu betreiben.

Im Iran hat die iranische Führung zwar zunächst die ursprünglich wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilte Sakineh Mohammadi Ashtiani nach weltweiten Protesten verschoben. Vermutlich um dennoch zumindest an der Todesstrafe festzuhalten und dem Anschein zu entgehen, grausame mittelalterliche Praktiken weiterzuführen, wurde die Frau wahrscheinlich durch Schläge, so ihr Anwalt, gezwungen, im iranischen Fernsehen zu bekennen, an der Ermordung ihres Mannes beteiligt gewesen zu sein. Zudem beschuldigte sie in dem Auftritt ausgerechnet die westlichen Medien, sich in ihr Leben eingemischt zu haben.

Nach einem Bericht des Guardian soll der Iran nun Todesurteile durch Steinigung durch solche durch Hängen vollziehen, wenn die Namen der Verurteilten bekannt geworden sind.

Gemeinsam haben heute Intellektuelle, Künstler und Politiker gefordert, dass die Steinigung von Ashtiani verhindert werden muss. Bernard-Henri Levy, Milan Kundera, Jorge Semprun, Ségolène Royal, Mia Farrow, Bob Geldof oder Elisabeth Badinter erklärten, dass man die Augen nicht vor solchen Gräueltaten verschließen dürfe.

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