In God's own Country breitet sich der Glaube an Geister aus

Zwar verliert der christliche Glauben in den USA an Bedeutung, aber damit scheint die Religiosität oder der Wunsch nach Wiederverzauberung der Welt nicht der Aufklärung zu weichen

Der christliche Gottesstaat USA löst sich allmählich auf ( Gottesstaat des Westens). Die Aufklärung kommt verspätet, könnte man denken, wie bereits berichtet, und könnte auch den amerikanischen Traum schwächen, der auch immer darin bestand, dass God's own Country den Rest der Welt ins Glück führen wird - und sei es mit Gewalt und Krieg. Ob es sich allerdings wirklich um einen Fortschritt in Richtung Aufklärung handelt, muss nach einer Umfrage des Pew Forum on Religion and Public Life bezweifelt werden. Zwar löst sich die Bindung an die christliche Religion, dafür steigt das Bedürfnis nach übersinnlichen Erfahrungen an. Der kirchliche Glaube weicht nicht der Aufklärung, sondern dem Wunsch nach Wiederverzauberung.

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1962 hatten erst 22 Prozent angeblich religiöse mystische Erlebnisse berichtet, 2009 geben dies bereits 49 Prozent an, während die Zahl derjenigen, die dies verneinen, ebenso kontinuierlich abgenommen hat. Nur 48 Prozent sagen, dass sie so etwas nicht erlebt haben. Das hatten vor mehr als 40 Jahren noch 78 Prozent gesagt. Besonders ausgeprägt ist der Hang zu religiösen und mystischen Erlebnissen bei dem weißen Evangelikalen (70%) und den schwarzen Protestanten (71%). Bei den Katholiken behaupten dies auch noch 31 Prozent. Die 18-29-Jährigen liegen zwar mit 23 Prozent ein wenig unter dem Durchschnitt, aber ein signifikanter Unterschied zur älteren Generation lässt sich hier ebenso wenig erkennen wie zwischen Konservativen und Liberalen oder Anhängern der Republikaner und der Demokraten.

Stramme Evangelikale oder Katholiken werden weniger, auch wenn sie noch deutlich die religiöse Landschaft prägen. Aber sie gehen auch schon vermehrt in Gottesdienste anderer Kirchen. Selten oder nie besuchen allerdings nur 27 Prozent keine Gottesdienste, während 38 Prozent dies mindestens einmal pro Woche machen.

Man nimmt vermehrt aus dem religiösen, spirituellen oder übersinnlichem Supermarkt die Angebote, die interessant sind. Ob sie zueinander passen, ist schon weniger wichtig. Die Glaubensdinge werden komplexer, so die Autoren der Studie. Allerdings kehrt so, entgegen der reinen Religionslehre, nur eine religiöse und irrationale Sicht auf die Welt wieder, die den meisten Menschen auch früher eigen war und die auch noch bis in die Aufklärung hinein gediehen ist. Ganz konnten Materialismus und rationale Wissenschaft die Geister nie vertreiben.

Von den befragten US-Amerikanern sagten immerhin 29 Prozent, sie hätten in Kontakt mit Toten gestanden. 1996 sagten dies nach einer Gallup-Umfrage erst 18 Prozent. Auch der Geisterglaube scheint zugenommen zu haben. 18 Prozent wollen mit Geistern etwas zu tun gehabt haben, doppelt so viele wie 1996. Einen Wahrsager haben 15 Prozent schon einmal aufgesucht. Hier hat sich kaum etwas verändert. Auffällig ist, dass der Hang zum Übersinnlichen bei Frauen deutlich stärker ausgeprägt ist. Höhere Bildung lässt den Anteil schrumpfen, allerdings sind die jüngeren Menschen kaum weniger anfällig als die älteren. 20 Prozent der 18-29-Jährigen wollen schon mal einem Geist und 28 Prozent einem Toten begegnet sein.

Geschätzt werden Aspekte von fernöstlichen Religionen, New Age geistert noch herum, aber auch alte magische Vorstellungen gibt es weiterhin. 24 Prozent glauben an die Reinkarnation, also nicht nur an die Wiederauferstehung nach dem Tod im Himmel, sondern an ein verkörpertes Leben auf der Erde. "Spirituelle Energie" gibt es für 26 Prozent der Menschen auch in Dingen wie Bergen, Kristallen etc. Und 16 Prozent gehen davon aus, dass Menschen andere Menschen mit Verfluchungen, dem bösen Blick oder anderen Praktiken schaden können. An Astrologie glauben 25 Prozent. Gläubige weiße Evangelikale, die eifrig in die Kirche gehen, sind von alldem allerdings weniger angetan. Weiße haben sich insgesamt von solchen Vorstellungen stärker abgewendet als Latinos und Schwarze. Bei den Latinos glauben trotz Katholizismus mehr als ein Drittel an den bösen Blick, die spirituelle Energie oder die Astrologie, unter den Schwarzen ist hingegen der Glaube an die Reinkarnation am stärksten verbreitet. Beeindruckende 43 Prozent aller Befragten geben an, dass sie an mindestens zwei der so bezeichneten übersinnlichen Phänomene glauben (Begegnung mit Toten, Präsenz von Geistern, Reinkarnation, Yoga als spirituelle Praxis, spirituelle Energie, Astrologie, böser Blick), 18 Prozent glauben sogar an mehr als vier dieser Phänomene.

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