In Russland kommt ein Rauchverbot

Die Mehrheit der Russen ist nach einer Unmfrage dagegen, in Russland wird weltweit am meisten geraucht

Im Herbst letzten Jahres rief der russische Regierungspräsident Dmitri Medwedew die Russen dazu auf, mit dem Rauchen aufzuhören: "Lasst uns gemeinsam das Land von der Tabakabhängigkeit befreien."

Anlass war ein vom Gesundheitsministerium vorgelegter Gesetzesentwurf, der ein Rauchverbot ab 2014 an Arbeitsplätzen und auf öffentlichen Erholungsflächen, in Schulen, Universiäten, Krankenhäusern, Sport- und Kulturstätten und im öffentlichen Verkehr, ab 2015 auch in Hotels, Discos und Restaurants vorsieht. Tabakwerbung soll ganz verboten und die Tabaksteuer um 50 Prozent erhöht, in Filmen und TV-Spielfirmen darf Rauchen nicht mehr gezeigt werden. Im Dezember wurde der Gesetzesentwurf in der Duma in erster Lesung, am Freitag letzter Woche auch in zweiter Lesung mit einer großen Mehrheit von 442 Stimmen von insgesamt 450 angenommen. Man geht davon aus, dass damit nach der dritten Lesung das Gesetz im Juni in Kraft tritt.

Medwedew wies darauf hin, dass 40 Prozent der Russen – fast 60 Prozent der Männer und mehr als 20 Prozent der Frauen - rauchen und jährlich 400.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums sterben. Ein Viertel der 13-15-Jährigen sollen schon rauchen. Die Regierung kämpfe mit dem Rauchverbot nicht gegen die Menschen, versicherte er. Wer rauchen wolle, könne dies weiterhin dort machen, wo er die Gesundheit der anderen Menschen damit nicht beeinträchtige: im Freien und in der eigenen Wohnung, auch in Hausgängen, wenn alle Mitbewohner zustimmen. Sowieso würden 80 Prozent der Russen den Kampf gegen das Rauchen unterstützen.

Dem scheint freilich nicht so zu sein. Nach einer Umfrage im Januar lehnt eine Mehrheit das geplante Rachverbot ab. Am Arbeitsplatz sind nur 21 Prozent für ein Verbot, 75 Prozent sprachen sich nur für Einschränkungen aus. 73 Prozent sind für Einschränkungen in Restaurants, für ein totales Rauchverbot treten nur 17 Prozent ein. 55 Prozent meinen, der Staat sollte lieber mehr über die Risiken des Rauchens informieren, statt dieses zu verbieten. Eine höhere Besteuerung finden nur 20 Prozent gut.

Angeblich werden 90 Prozent des russischen Zigarettenmarkts von internationalen Unternehmen beherrscht: 37 Prozent von Japan Tobacco, 25 Prozent von Philip Morris International, 20 Prozent von British American Tobacco und 9 Prozent von Imperial Tobacco Group (9 percent). 2008 wurden 390 Milliarden Zigaretten verkauft.

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