"In der nächsten Generation ist der Tabakkonsum beseitigt"

"50 Jahre Fortschritt" - in den USA bilanziert der Leiter des Gesundheitssystems den Kampf gegen das Rauchen

Was Sie schon immer über das Rauchen aus medizinischer und volksgesundheitlicher Sicht wissen wollten, hat der operative Leiter des amerikanischen Gesundheitssystems, Boris D. Lushniak, aktuell in einem Bericht zusammengefasst, der auf den Tag genau 50 Jahre nach dem ersten großen Schockbericht seines berühmten Vorgängers im Amt Luther Terry erscheint. Terrys Bericht machte vor einem halben Jahrhundert Furore, weil darin zum ersten Mal die Rede davon war, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht, dem ging ein langer Kampf mit der Tabak-Lobby voraus, beendet war er damit noch nicht.

Mittlerweile ist das lang umstrittene Wort "verursacht" auf vielen Zigarettenpackungen zu lesen, demnächst mit Abbildungen von Raucherschäden illustriert. Der gesellschaftliche Sinneswandel gegenüber dem Tabakkonsum ist an einer Zahl des Surgeon General Lushniak klar abzulesen: 1965 waren demnach 43 Prozent der amerikanischen Bevölkerung Raucher, 2012 nur mehr 18 Prozent.

Amerikanische Politik plakatiert gerne, was in der Unterhaltungsindustrie und in der Betriebsführung als "Challenge" kursiert, Ziele, die handfest und sportlich aufgehängt werden. So wird die Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius in einem französischen Magazin mit der Aussage zitiert, dass die Vereinigten Staaten den Tabakkonsum "in der nächsten Generation den Tabakkonsum beseitigen werden". Ob sich die Raucherdissidenten von solchen Plänen beeinflussen lassen?

"Rauchen war 1964 tief in der amerikanischen Kultur verankert", so der Surgeon General-Bericht. Die Hälfte der Männer rauchten, ein Drittel der Frauen. "Sogar Ärzte rauchten". Meiner tut das noch immer.

Dabei wird er wissen, was Boris D. Lushniak nun den allgemein bekannten durch Rauchen verursachten Krankheiten wie Lungenkrebs oder Herz-Kreislauf- und Gefäßschädigungen hinzufügt: Leberkrebs, Darmkrebs, Diabetes mellitus Typ 2, Augenerkrankungen, die zur Blindheit führen können, wie Makuladegeneration, Erektionsstörungen, rheumatoide Arthritis, Schädigungen des Immunsystems etc.. Aufgelistet wird auch das Risiko ektoper Schwangerschaften und durch Rauchen verursachte Schädigungen des Fötus wie die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Dass auch der Passivrauch gefährlich ist, wird durch den Bericht bestätigt. Er statuiert, dass dem Qualm von Sargnägeln Ausgesetztsein zum Schlaganfall führen kann.

Über 440.000 Amerikaner sterben jährlich an den Folgen des Rauchens, so die US-Gesundheitsbehörde; seit 1964 zählt man dort über 20 Millionen Amerikaner, die vorzeitig an den Folgen des Lasters gestorben sind. Der Tabakkonsum bleibe Nummer 1 unter den Todesursachen, die zu verhindern wären, so die pädagogische Warn-Botschaft des Berichts.

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