Internationaler Gerichtshof soll über Klimawandel verhandeln

Vom Untergang bedrohte Inselstaaten wollen die Verantwortlichen vor Gericht stellen

Die kleinen Inselstaaten haben die Schnauze voll. Nach mehr als 20 Jahren ziemlich unbefriedigender Verhandlungen über die Eindämmung des globalen Klimawandels planen einige von ihnen nun, die Sache vor den Internationalen Gerichtshof zu bringen. Das geht aus einer Meldung der Nachrichtenagentur AP hervor.

Der Präsident von Palau, Johnson Toribiong, gab am Freitag bekannt, dass seine Regierung gemeinsam mit denen einiger anderer Staaten eine Arbeitsgruppe gebildet hat, die eine Anklage vorbereiten soll. Für sie sei der Klimawandel eine Frage des Überlebens. Palau liegt im tropischen Pazifik östlich der Philippinen und etwas nördlich des Äquators.

Toribiong verwies darauf, dass in seiner Region des Pazifiks der Meeresspiegel bereits überdurchschnittlich ansteige. Im globalen Mittel steigt der Meeresspiegel seit den Beginn der 1990er um etwa drei Zentimeter pro Jahrzehnt, doch die Klimawissenschaftler sind sich ziemlich einig, dass es dabei nicht bleiben wird. Bis zum Ende des Jahrhunderts rechnen inzwischen die meisten Fachleute bei gleichbleibenden Treibhausgasemissionen mit einem Anstieg von bis zu einem Meter, einige sogar mit noch höheren Werten.

Lokal, das ist seit langem bekannt, kann dieser Anstieg sehr unterschiedlich ausfallen. Verantwortlich sind dafür unter anderem Veränderungen in den Meeresströmungen und unterschiedliche Erwärmungsraten des Wassers. Verursacht wird der Anstieg zum einen durch das Abschmelzen von Gletschern, wobei Grönland und die Antarktis mittelfristig die größten Beiträge leisten, sowie von der Ausdehnung des Wassers durch die Erwärmung. Diese erfolgt, je nach Tiefe der erwärmten Wasserschichten, einige Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte nach der Erwärmung der Atmosphäre.

Der steigende Meeresspiegel ist allerdings nicht das einzige Problem der Inselstaaten. Manche von ihnen hängen in der einen oder anderen Weise von den Korallenriffen vor ihren Küsten ab. Diese sind nicht nur ein wichtiges Touristenmagnet. Sie gehören auch zu den produktivsten Regionen der Ozeane und sind für die Fischerei von besonderer Wichtigkeit.

Doch auch ihre Existenz ist bedroht. Die Erwärmung und die Versauerung der Meere setzt ihnen zu. Letzteres ist eine Folge der Aufnahme von Kohlendioxid (CO2) im Meereswasser. Der Säuregrad wird bei anhaltend hohen Emissionen in wenigen Jahrzehnten einen Grad erreicht haben, ab dem alle Tiere, die wie die Korallen Kalkskelette haben, akut gefährdet sind.

Besonders in den tropischen Gewässern werden bereits seit rund 30 Jahre schwere Schäden an Korallenriffen wahrgenommen, die meist eine Folge zu warmer Wassertemperaturen und Verschmutzungen durch Abwässer oder Bautätigkeiten sind. Steigt die Temperatur des Meerwassers auf über 30 Grad, so kann es passieren, dass die Korallenkolonien im größeren Maßstab ausbleichen. Die mit den Korallenpolypen in Symbiose zusammenlebenden und diese teilweise ernährenden einzelligen Algen verlassen ihre Wirte. Je nach dem, wie lange die Bleiche anhält, sind die Schäden oft irreparabel.

Auch vom Great Barrier Reef vor der ostaustralischen Küste ist bekannt, dass das Ökosystem dort bereits unter erheblichem Stress steht und sich das Algenwachstum bereits verlangsamt hat. Von der anderen Seite des Kontinents gibt es zwar die gute Nachricht, dass sich dort im 20. Jahrhundert in kälteren Gewässern wegen deren Erwärmung das Wachstum beschleunigt hat. Doch das kann natürlich die betroffenen Inselstaaten in den tropischen Gewässern kaum beruhigen. Außerdem ist vollkommen offen, ob sich dieser positive Effekt fortsetzen wird, zumal als weiteres Problem, wie erwähnt, die zunehmende Versauerung hinzu kommt.

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