Internet so energiehungrig wie der Flugverkehr

Allein die amerikanischen Rechenzentren verbrauchen 45 Milliarden Kilowattstunden.

Allein die amerikanischen Rechenzentren verbrauchen 45 Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht 1,2 Prozent des nationalen Stromverbrauchs. Nach einer Studie der IT-Beratungsfirma Gartner verursachen alle Rechenzentren zusammen inzwischen soviel CO2 wie der weltweite Flugverkehr. Großverbraucher wie Google, Microsoft oder Yahoo weichen mit ihren Serverfarmen deshalb in die ländliche Provinz aus, etwa an die Grenze zu Oregon, wo Strom aus Wasserkraft noch billig ist. Eine Alternative zum Umzug ist "Green computing", der Einsatz sparsamer und energieeffizienter Rechner, Peripheriegeräte und deren stromsparende Konfiguration.

Die Umweltagentur EPA hat als neuen Ökostandard für die IT-Branche EPEAT (Electronic Product Environmental Assessment Tool) entwickelt. Zu seinen Anforderungen gehört ein funktionierender Schlafmodus, in den sich der Rechner bei Nichtgebrauch versetzt. Diese Funktion ist wegen diverser Softwarekonflikte heute noch bei 90 Prozent der Geräte deaktiviert. In der Entwicklung sind auch effizientere Netzteile, die nicht mehr, wie die heutigen Standardnetzteile, 30 Prozent der Leistung als Abwärme weglüften. Für Rechenzentren ist auch das alte Konzept der "Thin Clients" aus Energiespargründen wieder aktuell - also Bildschirmarbeitsplätze, die nicht mehr über einen eigenen PC verfügen, sondern auf die Kapazitäten eines Zentralrechners zurückgreifen. Im Gegensatz zu einem gut ausgestattem PC konsumieren Thin Clients nur noch rund 1/10 soviel Energie.

Öko-Allianzen werden neuerdings auch zwischen eigentlich konkurrierenden Herstellern geknüpft. Ein Beispiel ist die "Green Grid Initiative", die den Stromverbrauch von Servern senken will. Die "Climate Savers Computing Initiative" will bis 2010 5,5 Milliarden Dollar Energiekosten und 54 Millionen Tonnen Treibhausgase weniger verursachen, das entspreche dem jährlichen Ausstoß von rund elf Millionen Autos oder 20 Kohlekraftwerken. Selbst werbewirksame Ausgleichsmaßen für das gute Ökogewissen werden gestartet. So bei Dell mit seiner Baumpflanzkampagne " Plant A Tree For Me" bei der ein Kunde beim Kauf eines Laptops zwei, bzw. sechs Dollar beim Kauf eines PC zahlt, wovon Bäume gepflanzt werden - als Ausgleich für den CO2 Ausstoß des Rechners.

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