Internetkabel in Kuba beendet Testphase

Neue Verbindung soll im Juli in Betrieb genommen werden, eine rasche Verbesserung des Zugangs ist aber nicht zu erwarten

Mitte dieser Woche wird in Havanna die Testphase für ein neues Glasfiberkabel zwischen Venezuela und Kuba abgeschlossen sein. Im kommenden Monat soll die neue Datenverbindung in Betrieb gehen, heißt es von den zuständigen Behörden beider Staaten. Mit der Verbindung wird Kuba erstmals nicht mehr ausschließlich von teuren und langsamen Satellitenverbindungen abhängig sein. Zwar verläuft ein Datenkabel zwischen Miami (USA) und Cancún (Mexiko) nur rund 30 Kilometer vor der kubanischen Küste. Dennoch war die aufwändige Verbindung über Satelliten bislang nötig, weil die US-Blockade dem sozialistischen Karibikstaat die Nutzung der bestehenden Leitungen verwehrt.

Nach Angaben des venezolanischen Ministers für Wissenschaft und Technologie, Ricardo Menéndez, kann die 640-Gigabite-Verbindung die Übertragungsgeschwindigkeit für Kuba um das bis zu 3000-Fache verbessern. Insgesamt 70 Millionen US-Dollar hat das Projekt des Joint-Venture-Unternehmens Gran Caribe gekostet. 60 Prozent an der Firma hält die staatliche venezolanische Telekom, 40 Prozent der ebenfalls staatliche kubanische Anbieter Cuban Transbit. Für den Bau engagiert wurden Experten der französischen Alcatel-Lucent und des chinesischen Partnerkonzerns Shanghai Bell. Nach dem Anschluss in Kuba wird das Datenkabel zunächst nach Jamaika weiterverlegt, später sollen weitere Länder der Region hinzukommen.

Für Kuba kann die neue Verbindung eine zunehmend belastende Technologielücke schließen. Die Regierung in Havanna hatte angesichts der hohen Kosten bislang darauf geachtet, vor allem öffentliche Institutionen, wissenschaftliche Einrichtungen und das Bildungswesen mit Internet auszustatten. Im Vergleich zum lateinamerikanischen und karibischen Raum ist der Webzugang dennoch unterentwickelt. Knapp 13 Prozent der Bevölkerung in Kuba haben Zugang zum Internet, in der übrigen Region sind es nach Angaben der Internationalen Fernmeldeunion ( ITU) durchschnittlich 29,2 Prozent. Laut der jüngsten Erhebung des Kubanischen Statistikinstitutes haben 2,9 Prozent der Bevölkerung direkten Zugang zum Internet.

Angesichts solcher Zahlen werfen Kritiker der sozialistischen Regierung politisch gewollte Restriktionen vor. Vor allem die jüngsten Rebellionen in den arabischen Staaten würden diese Tendenz verstärken, kommentierten US-Medien. Dem trat im Oktober vergangenen Jahres Kubas Vizeminister für Informatik und Kommunikation, Ramón Linares, entgegen. Die Anbindung Kubas an ein Glasfiberkabel sei "ein großer Fortschritt", sagte der Regierungsfunktionär im Gespräch mit der mexikanischen Tageszeitung La Jornada, dennoch bedeute es keine automatische Verbesserung der Verbindungsqualität. Vor allem die teilweise Jahrzehnte alten Datenleitungen im Land müssten modernisiert werden, so Linares, der auf die US-Blockade verwies. Dafür nötiges technisches Equipment sei oft in den USA patentiert und könne wegen der Blockadebestimmungen nicht erworben werden. Zudem sei unklar, wie die USA auf die Entwicklung des Internets in Kuba reagieren: Die meisten Daten aus der Region laufen über Server auf US-Territorium.

Nach Linares Angaben werden die Ressourcen nach dem Anschluss Kubas an das neue Datennetz nach und nach ausgebaut. Zunächst sollen nach Angaben des Regierungsfunktionärs "kollektive Zugänge", etwa in Schulen, Universitäten und wissenschaftlichen Instituten, ausgebaut werden. Danach werde man private Anschlüsse anbieten. Die Erfahrung mit Handys habe gezeigt, dass auch in Kuba ein Markt dafür besteht.