Iran könnte "in wenigen Monaten" die Atombombe haben – seit 1979

Bombastische Warnung bleibt ein Evergreen

Aktuell verbreiten die Medien das Ergebnis einer US-Studie, der zufolge der Iran "schon in wenigen Wochen" genug Material für eine Atombombe habe. Dem geneigten Leser wird die Wahl zwischen einem präventiven Militärschlag und einer "diplomatische Lösung" gelassen. Ähnliches hatte man vor einem Jahrzehnt auch dem Irak angeboten, der ebenfalls des Besitzes von "Massenvernichtungswaffen" verdächtigt wurde. Gegen diese offenbar taktische Unterstellung konnte sich der Irak trotz ins Land gelassener Suchtrupps nicht verteidigen. Der durch nichts gestützte Vorwurf war ausreichend, um Politik und Öffentlichkeit auf einen Krieg einzustimmen.

Die angeblich vom Iran "demnächst" drohende Gefahr einer Atombombe wird seit 1979 behauptet. Bereits zuvor soll damaligen Geheimdienstinformationen zufolge der Schah ein verdecktes Atomwaffenprogramm lanciert haben. 1984 lieferten westdeutsche Geheimdienste das Märchen aus 1000 und einer Nacht, der Iran befände sich in der letzten Entwicklungsphase – rund zwei Jahrzehnte, bevor sie das 1002. Märchen von "rollenden Giftlabors" nachreichten. US-Politiker taxierten damals den Entwicklunsgzeitraum auf sieben Jahre.

Seit 1992 verkündet der israelische Außenminister Shimon Peres, der Iran werde 1999 im Besitz der Bombe sein und stelle die größte Bedrohung dar. Ein US-Komitee war sich 1992 zu 98% sicher, der Iran besitze alle Komponenten für zwei bis drei Sprengköpfe. Nachdem sich mehrere Siebenjahres-Prognosen nicht bewahrheiteten, taxiert man seit über einem Jahrzehnt die Dauer auf weniger als ein Jahr.

Die Horrorszenarien erinnern an die Einschätzungen des "Team B", einer im Tauwetter des Kalten Kriegs formierten rechtskonservativen Lobbygruppe um Rumsfeld, Wolfowitz und Cheney, die seit der Ford-Administration den US-Regierungen und Medien die Existenz von unauffindbaren Waffensystemen der so aggressiven Sowjets einflüsterten. Eine Radaranlage sei in Wirklichkeit eine Laserstation, US-Boote würden von neuartigen Minen bedroht usw. Die Existenz der geheimen Massenvernichtungswaffen vermochten jedoch weder die CIA, noch heutige Militärhistoriker zu bestätigen.

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