Iran sperrt Dutzende Studiengänge für Frauen

Die fundamentalistischen Hardliner setzen auch an den Universitäten die Trennung der Geschlechter durch und wollen auch in der Wissenschaft die Überlegenheit der Männer schützen

Die iranischen konservativen Männer haben ein Problem. In den Universitäten des Landes studieren mehr Frauen als Männer. Über 60 Prozent der Studenten sind Frauen. Das ist schon seit den 1980er Jahren den Männern ein Dorn im Auge, was der Islam natürlich begünstigt. In den Schulen wurde nach der Islamischen Revolution eine Trennung der Geschlechter durchgeführt, an den Universitäten sollten auch Männer und Frauen in den Vorlesungsräumen zumindest durch Vorhänge oder andere Raumteiler getrennt werden, was aber damals nicht durchzusetzen war. Letztes Jahr wurde ein neuer Ansatz gemacht, der allerdings von Präsident Ahmadinedschad schwer kritisiert wurde, was aber nichts gefruchtet hat.

In vielen Universitäten werden bereits Männer und Frauen getrennt unterrichtet, geplant wird sogar, neue Frauen- und Männeruniversitäten zu bauen. Allerdings wurden auch ohne Geschlechtertrennung die Universitäten bereits weitgehend islamisiert, Frauen dürfen nur in Hidschab gehüllt die Universitäten betreten und liberale oder kritische Professoren wurden in den letzten Jahren reihenweise entlassen. Schon jetzt werden mehr als 600 Kurse an 60 Universitäten nach einem Bericht von iranischen Menschenrechtsgruppen nur für Frauen oder Männer angeboten. Jeder sechste Student nimmt bereits an einem Kurs teil, bei dem Männer und Frauen getrennt sind. Insgesamt sind davon schon 17 Prozent aller Kurse oder Vorlesungen betroffen.

Zudem steige die Diskriminierung gegenüber Frauen, die öfter nicht einen Kurs belegen können, den sie besuchen wollen, und zu anderen Kursen oder weniger renommierten Universitäten geschickt werden. Die Geisteswissenschaften wurden sowieso zusammengestrichen, weil die unter der Kontrolle von Geistlichen stehenden Universitäten hier westlichen Einfluss wittern. Frauen sollen oft nur noch Theologie oder Arabische Literatur besuchen dürfen, um jede Gefährdung der ideologischen Unterwanderung auszuschließen.

Nach einem Bericht der staatlichen Mehr News sind ab dem kommenden Semester 77 Fächer an den 36 staatlichen Universitäten generell für Frauen gesperrt worden. Die Männer wollen offenbar die Konkurrenz durch Frauen unmöglich machen und Frauen, die vermutlich am besten gar nicht studieren sollen, in ungefährliche Frauenstudiengänge verbannen. Das dürfte den islamischen Hardlinern gefallen, aber der iranischen Gesellschaft, die trotz religiösem Fundamentalismus technisch und wissenschaftlich mithalten will, langfristig weit zurückwerfen.

An der Universität Teheran dürfen sich Frauen schon in keine Ingenieurstudiengänge, in Mathematik und Forstwissenschaft immatrikulieren. An der Universität Lorestan sind 18 Studiengänge Frauen verwehrt, darunter Geomorphologie, Klimawissenschaften und Betriebswirtschaft. Vorgesehen für Frauen sind etwa Chemie und Pflanzenbiologie. An der Universität Bushehr können Frauen noch Bibliotheks- oder Informationswissenschaft studieren, nicht aber Mathematik und Ingenieurswissenschaften. Allgemein bleiben den Frauen vor allem Bibliotheks- und Informationswissenschaften, Informationstechnologie und Programmieren. An manchen Universitäten werden einfach weniger Frauen immatrikuliert, um das Verhältnis Männer-Frauen zugunsten der Männer zu korrigieren. Noch scheint es bei der Regelung einen Wildwuchs zu geben. Es wird auch verhaltene Kritik laut, aber offenbar können sich derzeit die Hardliner durchsetzen und weiter am Gottesstaat bauen, der sich auch in der Wissenschaft als Bastion der Männer erweist, die Frauen aufgrund des Glaubens klein halten wollen oder diese fürchten.

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