Irland: Erster Volksentscheid pro Homo-Ehe

Mehr als 60 Prozent der Iren haben mit einer hohen Wahlbeteiligung für die verfassungsrechtliche Gleichstellung der Homo-Ehe gestimmt

Das als tief katholisch geltende Irland ist das erste Land, das die gleichgeschlechtliche Ehe durch einen Volksentscheid einführt – gegen den Widerstand der katholischen Kirche. Heute haben mehr als 60 Prozent der Regelung zugestimmt, dass der Artikel 41 der Verfassung mit dem Zusatz ergänzt wird, die "Ehe zwischen zwei Personen unabhängig von ihrem Geschlecht2 geschlossen wird.

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Erst vor 22 Jahren war Homosexualität keine Straftat mehr, die Abtreibung ist allerdings noch immer verboten. Jetzt war die Beteiligung an dem Referendum mit mehr als 60 Prozent nicht nur hoch, auch in den meisten Wahlbezirken auf dem Land hat eine Mehrheit für die verfassungsrechtliche Gleichstellung der Ehe von gleichgeschlechtlichen und TRensgender-Paaren gestimmt. Natürlich fand die Yes-Kampagne die höchste Zustimmung in Dublin, wo auch eine große Menge den Sieg vor dem Dublin Castle schon feiert und noch auf das endgültige Auszählungsergebnis wartet.

Gleichheitsminister Aodhan O'Riordain feierte den Sieg mit einem Tweet: "Ireland hasn't just said "Yes"... Ireland has said: "F??CK YEAAHHHH". Premierminister Enda Kenny von der konservativen Fine Gael Partei, der sich für das Ja stark gemacht hatte, erklärte, das irische Volk habe sich damit als Pionier gezeigt.

Irland ist damit weltweit das 19. Land, die Homo-Ehe legalisiert, in der EU wurde es das 14. Land, womit die EU weltweit Vorreiter der Gleichstellung bleibt. Deutschland hinkt hier freilich dank der Union noch hinterher. Allerdings waren homosexuelle Paare in Irland bereits seit 2010 weitgehend rechtlich gleichgestellt. Auch wenn die Homo-Ehe in Großbritannien bereits legal ist, gilt dies nicht für Nordirland.

Die katholischen Bischöfe hatten in einem Brief über die "Bedeutung der Ehe" gewarnt. Eine völlige Gleichstellung der Homo-Ehe würde die Bedeutung von Ehe und Familie als "Grundpfeiler der Gesellschaft" untergraben. "Die Ehe ist keine soziale Konstruktion, sondern eine sich ergänzende Einheit zwischen Mann und Frau", hatte etwa der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, am letzten Sonntag in der Messe noch dekretiert. Vermutlich schwindet der Einfluss der katholischen Kirche vor allem in Fragen von Sexualität und Beziehungen, weil ausgerechnet die Organisation, die über den Erhalt der Ehe zwischen Mann und Frau wachen will, von zölibatär lebenden Singles angeführt wird, die sich aus der Sexualität ebenso wie aus der Familie ausgeklinkt haben.

Mit dem Sieg der Befürworter vor Augen gesteht Diarmuid Martin aber nun ein, dass die Zeiten, in denen Kirchenleute den Menschen Vorschriften machen, längst vorbei seien. Und er gibt sich nun liberal: "Mir ist klar, dass die Härte, mit der die irische Kirche schwule und lesbische Menschen in der Vergangenheit behandelt hat – und zum Teil immer noch behandelt -, es einigen schwer macht, die Position der Kirche nachzuvollziehen." Er hätte es lieber gesehen, dass die Rechte von Homosexuellen ohne Änderung der Definition der Ehe geschützt worden wären: "Das ist nicht geschehen, aber das ist die Welt, in der wir heute leben."

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