Islamkonferenz: Bewegung durch "liberale Muslime"

Ein anderes Gesicht der islamischen Theologie?

Die großen muslimischen Verbände signalisierten gestern, dass sie an der neuen Runde der deutschen Islamkonferenz teilnehmen werden. Zwar gibt es keine genaueren Erklärungen der Dachverbände, aber nach aktuellen Meldungen erscheint der jüngst diskutierte Ausstieg nun eher unwahrscheinlich. Eigentlich sollten die Beratungen des Koordinationsrats der Muslime (KRM), die letzten Freitag vertagt wurden (siehe Unruhe im Korridor zur deutschen Islamkonferenz), gestern fortgesetzt werden. Die Türkisch-Islamische Union (DITIB) hatte jedoch kurzfristig abgesagt. Laut dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Ayyub Axel Köhler, brauche DITIB "noch Bedenkzeit".

Ohne Verbände gebe es keine Fortschritte in den wichtigen Fragen zum islamischen Religionsunterricht, soll der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU) fürchten. Dazu gibt es nun im Westen Neues: die Gründung der "Liberalen Muslime", deren Leiterin Lamya Kaddor als promovierte islamische Religionspädagogin sich für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen in deutscher Sprache stark macht und Haltungen vertritt, als ob sie vom deutschen Innenministerium aufgemalt wären:

"Wir sind alle einem liberal-gläubigen Verständnis des Islam und einer historisch-kritischen Auslegung des Koran verpflichtet. Wir sind eindeutig in Deutschland verortet, es gibt kein weiteres Land, in dem wir uns heimisch fühlen. Wir bekennen uns zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung."

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau sei von zentraler Bedeutung, fügt der Bericht hinzu. Man will sogar weibliche Imame. Fehlt nur noch, dass dies ein Verein wäre, der tatsächlich viele Muslime repräsentiert.

Wenn man bei den liberalen Muslimen die Verbände auch aus anderen Gründen kritisch beurteilt, "ausdrücklich in Opposition zu den konservativen bestehenden Islamverbänden" will man sich nicht sehen; aber schon zeigen, "dass islamische Theologie auch ein anderes Gesicht" annehmen könne.

Anzeige