Israel: Neues Raketenabwehrsystem erfolgreich getestet

"Iron Dome" soll Raketen-Angriffe aus Gaza und dem Südlibanon abwehren. Kritiker bemängeln die Reichweite

Das System läßt an eine Fortsetzung der Mauer in den Himmel denken. Dass es "Iron Dome" heißt, ist sicher kein Zufall, die Nähe zur "Iron Wall" möglicherweise beabsichtigt - mit diesem Namen wird eine Doktrin bezeichnet, die verlangt, Verhandlungen mit Arabern nur aus einer Position der militärischen Stärke zu führen. Das Abwehrssystem "Iron Dome" deckt die einzig verbliebene größere Lücke ab, welche die High-Tech Mauer, die Israel vor feindlich Gesinnten schützt, noch gelassen hat, das Stück Himmel unterhalb des Aktionsradius der Flugzeuge, aus dem die Raketen kommen.

Für diese Gefahr, so scheint es nach gestrigen Meldungen des IDF und des Verteidigungsministeriums, hat Israel nun eine entwaffnende Antwort gefunden: ein Raketenabwehrssystem, das gleichzeitig mit mehreren angreifenden Raketen- oder Flugkörper aus unterschiedlichen Richtungen und Entfernungen fertig wird und dabei auch noch einschätzen kann, ob eine Rakete, wie das bei palästinensischen Kassam-Raketen vorkommt, ins Leere fliegt, und die "Munition" nicht lohnt. Das Video mit Auschnitten der nun abgeschlossenen Iron Dome-Testreihen demonstrierte gestern der Öffentlichkeit, wie gut "Iron Dome" auch mit den Katjuschas der Hisbullah und Kassams der Hamas zurechtkommt, die ein Ziel treffen könnten: Allesamt wurden sie von einem Iron-Dome-Missiles rechtzeitig vernichtet.

Äußerungen des israelischen Verteidigungsministeriums, wie sie in verschiedenen Medien übermittelt werden, sprechen von einem "vollkommenen Erfolg", der sich bei der letzten Testreihe von "Iron Dome" gezeigt habe. Komplettiert wurde der Erfolg dadurch, dass sich das System als sehr kompatibel mit Steuerungs-und Kommunikationssystemen der IDF erwies und die Soldaten ohne Probleme damit arbeiten konnten. Was daran liegen könnte, dass der Hersteller des Abwehrssystems ein israelisches Unternehmen ist: Rafael Advanced Defense System.

Der Haken: Das System ist teuer. Jeder einzelne Abschuss soll zwischen 10 000 und 50 000 Dollar kosten, während eine Kassam-Rakete mit einigen Hundert Dollar veranschlagt wird. Eine System-Einheit, Abschussrampe, Radar usw. schlägt laut Ha'aretz mit 10 bis 13 Millionen Dollar zu Buche.

Trotz außerordentlicher, d.h., über den Rahmen der normalen Militärhilfe hinaus genehmigter, amerikanischer Finanzhilfe in Höhe von rund 205 Millionen Dollar, zugesagt nach dem Höhepunkt der Krise zwischen den beiden Ländern, reicht das Geld nicht für genügend Einheiten des Systems, um alle Orte an den Grenzen zum Gazastreifen und dem Südlibanon zu schützen, wird berichtet. Hinzu kämen Rivalitäten zwischen Kommunalregierungen etwa von Sderot und den Militärs, während die Kommune den Schutz ständig vor Ort haben will, ist es den Militärs lieber, die Gerätschaften in Basen bereit zu halten.

Doch, so heißt es wiederum an anderer Stelle, hätte die "Raketenabwehrkuppel" eine Lücke: die Kurzstrecke. Zwar soll das System in der Lage sein, Raketen und Fernlenkgeschosse innerhalb eines Bereiches von 4 bis 75 Kilometer abzuschießen (und auch Mörsergranaten, wenn sie bis zu 12 Zentimeter klein sind), doch so notiert die Israel National News:

"Das wird Sderot oder anderen Ortschaften, die weniger als zwei Meilen vom nördlichen Gaza entfernt sind, wo die Hamas-Terroristen gerne ihre Kassam abschießen, nicht helfen."

Weswegen "Iron Dome" eigentlich besser für den Export geeignet sei, nach Singapur oder Indien, woher auch erste Anfragen kommen.