Israel: Tote bei Angriff auf Solidaritätsflotte

Aus dem Propaganda-Scharmützel zur Free-Gaza-Flotte, die Hilfsgüter nach Gaza transportieren will, wird eine tragische Krise

Nun ist es keine Propaganda-Farce mehr, sondern eine Tragödie: Die Abwehrmaßnahmen der israelischen Marine gegenüber Schiffen der Free-Gaza-Organisation, beladen mit Hilfsgütern für Bewohner des Gazastreifens, haben Menschenleben gefordert.

Nach einem Ha'aretz- Bericht, der sich auf Angaben des türkischen Fernsehens von heute Morgen stützt, starben mindestens 10 "Pro-Palästinensische Aktivisten" durch Gewehrfeuer von Seiten der israelischen Marine, 60 wurden angeblich verwundet. Der genaue Hergang ist noch unklar, ebenso die Zahlen. Mittlerweile wurden die 10 Getöteten von der IDF bestätigt.

Verschiedene Twitterseiten ( hier, da und dort), die den Weg der Soldidaritäts-Flotte nach Gaza begleiten, berichten von deutlich höheren Opferzahlen und von Informationen, wonach ein israelisches Elitekommando ein Schiff gestürmt haben soll. Israels Regierung dementiert diese Darstellung und verhängte Nachrichtensperre. Man darf gespannt sein, wie sich der Einsatz aus Sicht der IDF begründen lässt.

Dass die Marine die Flotte notfalls auch mit Einsatz "begrenzter Gewalt" daran hindern würde, Gaza anzulaufen, hatte Israels Regierung zuvor mehrmals betont, wohingegen die Organisatoren der Free-Gaza-Flotte bekräftigten, dass man sich davon nicht werde vom Kurs abbringen lassen und Israel kein Recht habe, die internationale Hilfsmission zu behindern. Die Gaza-"Flottilla", die größere Medienaufmerksamkeit bekam, wurde von Anfang an begleitet mit Propagandvorwürfen, wie sie für solche Kampagnen typisch sind (siehe Wer bestimmt darüber, was die Palästinenser brauchen?).

Mit zum Teil zynischen Mitteln versuchte dabei die israelische Regierung der "Propaganda" der Hilfsflotte zu begegnen. Der in vielen Berichten geschilderten miserablen Situation der Bewohner des Gazastreifens wurde das "nicht-propagandistische" Bild einer guten Versorgung gegenübergestellt. Dazu deutete man auf Hamas-Mitglieder und -Sympathisanten sowie islamistische Akteure unter den Schiffspassagieren. Mit breit gestreuter Öffentlichkeitsarbeit wollte man die "einseitige" Solidarität der Öffentlichkeit mit der Hilfsgüterflotte verhindern.

Nach der Aktion der Marine, die erneut das Thema "unverhältnismäßige Härte" im Zusammenhang mit Israel und Gaza in die Öffentlichkeit bringt, dürfte die Diskussionen genau so verlaufen, wie es die israelische Regierung zuvor befürchtet hatte. Dazu kommen ernsthafte politische Krisen: In Istanbul sollen aufgebrachte Protestierer versucht haben, die israelische General-Konsulat zu stürmen. Das früher gute Verhältnis zwischen Israel und der Türkei ist dadurch schweren Belastungen ausgesetzt.

Laut al-Dschasira hatte die Flotte den Kurs gewechselt, um der Konfrontation mit israelischen Schiffen aus dem Weg zu gehen.

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