Israel soll 1975 mit dem Apartheidsregime Südafrika über den Verkauf von Atomwaffen verhandelt haben

Nun veröffentlichte Dokumente weisen auf ein geheimes Militärabkommen und Einzelheiten der Gespräche hin

Dass Israel, das im Gegensatz zum Iran den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat, Atomwaffen gebaut hat, ist ein offenes Geheimnis. Stets hat die israelische Regierung versucht, dazu keine Stellung zu nehmen, gleichzeitig haben die USA immer mitgeholfen, die Forderung nach einem atomwaffenfreien Nahen Osten abzuwehren.

Zwar hat 1986 Mordechai Vanunu Bilder aus der israelischen, von Frankreich erbauten Atomanlage Dimona geliefert und erklärt, dass Israel Atomwaffen habe, Beweise konnte er dafür aber nicht liefern. Der israelische Geheimdienst Mossad stellte Vanunu eine Falle und verschleppte ihn aus Rom nach Israel, wo er zu 18 Jahren Haft verurteilt wurde. 2004 wurde er aus der Haft entlassen, lebt aber weiter unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Weil er diese wiederholt verletzt haben soll, wurde er immer mal wieder inhaftiert. Erst vor wenigen Tagen wurde er wieder inhaftiert, weil er sich mit Ausländern getroffen haben soll.

Auch wenn es nichts daran ändert, dass Israel seit den 1950er Jahren ein Atomwaffenprogramm verfolgte, so wurden nun erstmals schriftliche Dokumente vom Guardian veröffentlicht, die das bestätigen könnten – in einem für Israel nicht gerade günstigen Kontext. In einem "Top-secret"-Treffen, so geht aus den Dokumenten hervor, bat der damalige südafrikanische Verteidigungsminister Botha den damaligen israelischen Verteidigungsminister Peres, der jetzt Präsident Israels ist, um Raketen mit der richtigen Ausstattung (payload). Peres sagte damals, es gebe diese in "drei Größen". Peres soll damit chemische, biologische und nukleare Waffen gemeint haben, das aber geht aus den Dokumenten selbst nicht hervor. Da Südafrika chemische und biologische Waffen selbst bauen konnte, könne es, so der Guardian, nur um Atomwaffen gegangen sein.

Bei den Gesprächen soll es darum gegangen sein, Südafrika Jericho-Raketen zu verkaufen, die mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden können. Nach Berichten eines ehemaligen südafrikanischen Offiziers, die schon länger bekannt sind, wollte Südafrika angeblich 8 Jeriicho-Raketen kaufen. In einem Memo des südafrikanischen Generalleutnants, der an dem Treffen teilgenommen hatte, notierte dieser, dass ein Kauf nur Sinn mache, wenn diese mit Atomsprengköpfen ausgestattet wären, die man selbst bauen oder anderswo erwerben müsse. Südafrika hatte zwar auch ein Atomwaffenprogramm, war aber weit davon entfernt, diese bauen zu können. Kurz vor den Verhandlungen war ein Militärabkommen unterzeichnet worden, in dem es auch hieß, dass dieses selbst geheim bleiben sollte. Der Waffendeal sei u.a. wegen der Kosten dann doch nicht zustande gekommen. Israel bekam für seine Atomwaffenproduktion aus Südafrika Uran und Tritium geliefert, Südafrika konnte schließlich in den 80er Jahren selbst einige Atomwaffen bauen. Nach dem Ende des Apartheidregimes wurden diese jedoch 1990 zerstört und die Aufbereitungsanlage geschlossen.

Entdeckt wurden die Dokumente in Südafrika von dem amerikanischen Historiker Sasha Polakow-Suransky, der über die Beziehungen der beiden Länder ein Buch geschrieben hat, das diese Woche in den USA erscheinen wird. Angeblich hat die israelische Regierung Südafrika gedrängt, die Dokumente nicht herauszugeben. Die Post-Apartheids-Regierung sah sich aber offenbar nicht mehr an das Abkommen gebunden, schwärzte einige Passagen und übergab es dem Autor.

Das Büro des israelischen Präsidenten erklärte die im Guardian aufgestellten Behauptungen als "grundlos", es habe nie Versuche gegeben, Atomwaffen an das damalige Apartheidsregime zu verkaufen. Es gebe keine Dokumente, die von israelischer Seite unterschrieben worden seien und in denen von solchen Verhandlungen die Rede sei. Das geheime Militärabkommen wurde von Peres und Botha unterzeichnet, daraus lassen sich aber die angeblichen Verhandlungen über Atomwaffen nicht ersehen. Insofern hat das Büro von Peres Recht, was allerdings nicht heißt, dass deswegen die Memos des südafrikanischen Militärs und die Wiedergabe der Gespräche seitens der südafrikanischen Regierung falsch sind.

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