Ist nur der nackte Affe schön?

Ästhetik oder Ekel? Die Rodung der letzten Haare am Menschenkörper schreitet voran

Den Trend zum Scheren der Haare unter den Achseln, im Intimbereich, an den Füßen, an der Brust oder auf dem Rücken gibt es schon länger. Noch roden vor allem Männer nicht nur ihre Bärte, sondern auch ihr Haupthaar, um mit glänzenden und sauberen Köpfen aufzutreten. Irgendwie scheinen die Menschen Haare am Körper zunehmend als unästhetisch zu empfinden, vermutlich steckt dahinter vor allem auch ein Ekel vor dem, was sich in den Haaren, diesem äffischen Resten und bewaldeten Inseln, verbergen könnte, ein Drang zur Hygiene und Übersichtlichkeit, zur endgültigen Nacktheit und vielleicht auch von der dezidierten Abkehr vom Animalischen, das freilich weiterhin in der von glatter Haut umschlossenen Wetware präsent bleibt. Je jünger die Menschen, desto größer die Abkehr von der Körperbehaarung.

Wenn man einer Umfrage, die TNS Infratest für Schlecker durchgeführt hat, Glauben schenken soll, ist der Rodungswunsch bei den Deutschen schon erstaunlich ausgeprägt. Für die Umfrage wurden 4.100 Deutsche im Alter von 16 bis 69 Jahren anonym und online befragt, was angeblich die Ehrlichkeit beim Antworten befördert haben soll. Dabei gab es mitunter kuriose Antworten. So sollen sich 2 Prozent der Männer nie die Zähne putzen, die Putzmuffel sollen mit 6 Prozent in Hamburg ausgeprägt zu sein, während sich in München 76 Prozent der Frauen und Männer auch schon mehrmals am Tag die Zähne putzen. 96 Prozent der Münchner gehen nämlich davon aus, "dass gutes Aussehen ein absolutes Muss ist, wenn man beruflich erfolgreich sein will".

78 Prozent der Befragten sind mit sich, was das Aussehen betrifft, zufrieden, 72 Prozent legen dennoch oder deswegen viel Wert auf ihr Aussehen. 76 Prozent verbinden Schönheit eher mit Natürlichkeit, 98 Prozent der Männer wünschen bei Frauen "ungeschminkte Natürlichkeit". Zu natürlich soll es dann aber auch nicht sein. 96 Prozent der Frauen ziehen ein rasiertes Männergesicht vor, 70 Prozent lehnen einen Vollbart ab, auch der 3-Tage-Bart ist nicht sonderlich attraktiv. Wenn es nach den Frauen geht, sollten auch die Haare auf dem Rücken (79%) und die auf der Brust (64%) nackter Haut weichen. Und die Hälfte wünscht sich, dass die Männer sich auch im Intimbereich abrasieren, auch wenn 31 Prozent der Männer meinen, dass die meisten Frauen eine natürliche Behaarung attraktiv finden würden. Wobei allerdings 69 Prozent der Männer bereits finden, dass ein schöner Mann keine Haare im Intimbereich haben soll. Ob sie selbst das einhalten, geht aus der Umfrage nicht hervor. Die jungen Männer legen angeblich viel Wert auf ihr Aussehen, benutzen Cremes und Peelings. Ab 40 Jahre geht es denn schon ein wenig lässiger zu. 8 Prozent duschen nur einmal oder weniger in der Woche. 77 Prozent brauchen am Morgen weniger als 15 Minuten im Bad, aber da muss Mann ja auch nicht die Ganzkörperrasur machen.

Andersherum sind die Wünsche ähnlich. Fast zwei Drittel der Männer wollen an den Füßen der Frauen keine Haare sehen oder spüren. Und zur Norm scheint auch hier die Intimrasur geworden zu sein, 83 Prozent der Männer wünschen sich bei den Frauen einen nackten Intimbereich "Körperbehaarung ist out, und zwar überall", schreibt Schlecker, wo man sich denn auch die notwendigen Utensilien für die neue, zeitlich nicht gerade unaufwendige Körperpflege bei Frauen und Männern erwerben kann.

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