Italien wird in die Pleite gestuft

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) senkt die Kreditwürdigkeit des Landes und bewertet den Ausblick negativ

Dass der Schlingerkurs um die italienischen Sparbemühungen niemanden überzeugen würde, war klar. Nun hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit um eine weitere Stufe von "A+" auf "A" herabgestuft. Die Agentur geht davon aus, "dass das reduzierte Tempo von Italiens wirtschaftlicher Aktivität die revidierten Finanzziele der Regierung schwer erreichbar macht". Die kurzfristige Kreditwürdigkeit wurde von "A-1+" auf "A-1" herabgesetzt.

Als Begründung führt die Agentur zudem an, dass die Regierungskoalition "zerbrechlich" ist und die "politischen Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Parlaments weiterhin die Fähigkeit der Regierung einschränken werden, entschlossen auf nationale und internationale wirtschaftliche Herausforderungen zu reagieren". Deshalb wurde auch der Ausblick weiter negativ eingeschätzt, womit künftige Abstufungen programmiert sind.

In dem allgemein negativen Umfeld, in dem auch die großen Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich wieder stagnieren, wird es nun sehr gefährlich für Italien. Zudem bleibt der Druck nicht allein durch den negativen Ausblick von S&P erhalten. Erst am Freitag hat auch Moody's gedroht, Italien herabzustufen. Noch bewertet Moody's das Land mit einem "Aa2". Das entspricht einem "AA" von S&P, womit Moody's das Land noch drei Stufen kreditwürdiger als S&P einschätzt.

Es wird nun immer enger für das drittgrößte Euroland, auch wenn Berlusconi empört zetert, die Einschätzung fuße nicht auf Tatsachen und sei zudem "von politischen Erwägungen fehlgeleitet", schließlich habe die Regierung Maßnahmen zur Haushaltssanierung eingeleitet. Es zeigt sich, dass auch die umstrittenen massiven Aufkäufe italienischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank den Anstieg der Risikoaufschläge kaum noch dämpfen können. Schon in der ersten Septemberwoche stiegen die Zinsen für zehnjährige italienische Staatsanleihen von gut 5,1 auf mehr als 5,6 % an. Der Spread zu deutschen Bundesanleihen war zum Teil auf 380 Basispunkte gestiegen. Heute ist nach der S&P-Entscheidung der Zinsunterschied allerdings auf 400 Basispunkte geklettert, womit ein neuer Zinsrekord anvisiert wird.

Alles deutet nun darauf hin, dass der Schuldenmeister Italien, mit Staatsschulden von 2 Billionen Euro, den Absturz-Wettlauf gegen Spanien gewinnen wird. Die Tendenz, dass Italien sogar noch höhere Aufschläge als Spanien bezahlen muss, hat sich verstetigt. Allerdings steigen heute auch die Risikoaufschläge für Spanien weiter. Nun liegt der Spread bei 370 Basispunkten. Allerdings kann Spanien, dass mit gut 60% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur halb so hoch verschuldet ist als Italien, die hohen Zinsen noch besser und etwas länger verkraften. Bei einer Versteigerung musste heute Spanien einen Zinssatz für Anleihen mit einer Laufzeit von nur 12 Monaten von 3,65% bieten. Bei der letzten Versteigerung lag er bei 3,4%. Bei den Anleihen mit einer Laufzeit von 18 Monaten waren es 3,9% statt 3,65% zuvor.

Allerdings setzt Spanien, neben der extremen Arbeitslosigkeit, vor allem die hohe Kreditausfallrate zu. Die bringt die Banken und Sparkassen des Landes immer stärker in Bedrohung, obwohl die Regierung eine Rettung der Kreditinstitute nach der anderen durchführt. Die Ausfallquote hat trotz der Stützungsmaßnahmen des Immobiliensektors mit fast 7% einen neuen Rekord erreicht. Die Quote ist real noch viel höher, denn die Ausfallquote der verstaatlichten Sparkasse "Caja de Ahorros del Mediterráneo" (CAM) liegt sogar bei fast 20%.