Italienische Regierung warnt vor einem "biblischen Exodus" aus Libyen

Der Ost Libyens scheint "befreit" zu sein, die Machtbasis von Gaddafi schrumpft

Im Osten Libyens, in der Cyrenaika, feiern die Menschen bereits die Befreiung vom Regime des "Revolutionsführer" Gaddafi. Wo dieser sich seit seiner letzten Fernsehansprache aufhält, in der einen Blutigen Kampf bis zum Untergang ankündigte, ist unbekannt. Geht man nach einer Karte, die Iyad El-Baghdadi aus Informationen aus dem Internet zusammengestellt hat, bliebe Gaddafi fast nur Hauptstadt Tripolis als Rückzugsort. Bis auf Tripolis, die Hafenstadt Surt und die Wüstenstadt Sabha sollen praktisch alle Städte bereits von den Aufständischen kontrolliert werden. Al-Dschasira berichtet bereits live aus dem Osten Libyens, wo sich die Lage zu stabilisieren scheint.

In Tripolis verbreiten die dem Diktator treuen Sicherheitskräfte, darunter viele Söldner etwa aus dem Taschad und aus Ghana, weiter Angst und Schrecken. Sie patrouillieren mit Fahrzeugkolonnen durch die Straßen, schießen auf Passanten. Die Menschen bleiben in ihren Häusern. Auf dem Flugplatz scheint Chaos ausgebrochen zu sein. Allein Zehntausende EU-Bürger warten darauf, hier oder von anderen anderen Orten evakuliert zu werden.

Wie viele Menschen in den letzten Tagen in Tripolisauch durch Angriffe mit Kampfjets und von Hubschraubern getötet wurden, kann nur geschätzt werden. Man geht von mindestens 1000 Opfern aus. Eine Video zeigt die Aushebung von Massengräbern. Al-Arabiya schätzt die Gesamtzahl der Toten auf 10.000-50.000.

Bengasi, die zweitgrößte Stadt Libyens, wurde schon als "Freies Bengasi" umbenannt. Nach dem Guardian sei die Stadt irreversibel vom Regime abgefallen, nachdem sich hier auch das Militär mit den Aufständischen solidarisiert hat. Ein Kampfflugzeug soll hier abgestürzt sein, die Piloten die sich mit Fallschirmen gerettet hat, sagten, sie wollte den Befehl damit umgehen, Bengasi zu bombarideren. Auch in anderen Städten wie Tobruk hat sich das Militär mit den Aufständischen vereint.

Tausende Menschen flüchten vor allem aus der Umgebung von Tripolis nach Tunesien. Vor allem Italien warnt davor, dass mit dem Zusammenbruch der Gaddafi-Herrschaft bis zu 300.000 Libyer nach Europa flüchten könnten. Italiens Außenminister Franco Frattini spricht von einem "biblichen Exodus". Weiter warnte Frattini vor einem möglichen Emirat in Ost-Libyen, für das es jedoch keinerlei Anzeichen bislang gibt. EU-Kommissionspräsident Barroso ruft die die EU-Mitgliedsländer dazu auf, sich auf die Flüchtlingsströme vorzubereiten. Die Sprecherin des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen, Melissa Fleming, hat die Nachbarländern aufgerufen, die Flüchtlinge aus Libyen aufzunehmen. Bedroht seien vor allem die Transitflüchtlinge, die sich in Libyen aufhalten. Angeblich würde manche von den Libyern nun bedroht, weil sie für Söldner gelten.

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