JFK-Akten bleiben geheimnisvoll

(Bild: Präsident Kennedy in der Main Street in Dallas, Minuten vor dem Attentat. Bild: Walt Cisco, Dallas Morning News / via Wikimedia /Public Domain )

Lauschangriff auf Journalisten nach einem halben Jahrhundert geheimhaltungsbedürftig

Aktuell sind CIA und FBI damit beschäftigt, das noch zurückgehaltene Material aus den eigentlich seit Oktober freizugebenden JFK-Akten zu flöhen. Eine zensierte Fassung soll dann nach 180 Tagen Nachfrist veröffentlicht werden. Zu den derzeit noch geheimhaltungsbedürftigen Dokumenten gehören - sofern sie nicht vernichtet sind - Abhörprotokolle, die den damals für die CIA zuständigen Redakteur der Washington Post betrafen.

Paul Scott hatte einst über die Kubakrise sowie das Attentat auf John F. Kennedy recherchiert. Die Tatsache, dass Scotts Telefonate mit Politikern und Beamten aus dem Weißen Haus abgehört wurden, kann man etwa in den 2007 freigegebenen Familienjuwelen der CIA nachlesen. Robert Kennedy und CIA-Chef McCone sollen die Maßnahme gegen Scott und dessen Kollegen Robert Allen gebilligt haben.

Offenbar war der Lauschangriff innerhalb des als Inlandsgeheimdienst fungierenden FBI umstritten, bis man sich darauf geeinigt hatte, dass der Auslandsgeheimdienst CIA den schmutzigen Job übernahm. Auch nach Beendigung der Telefonüberwachung analysierten die CIA-Leute bis in die 1980er Jahre jede Zeile, die Scott veröffentlichte. Sein Sohn Jim Scott wundert sich, was genau die Akten denn beinhalten könnten, was heute noch als geheimhaltungsbedürftig angesehen werden könnte.

Der Argwohn der Geheimen war nicht unberechtigt, denn Scott veröffentlichte im März 1967 einen damals sensationellen Bericht über ein - kürzlich freigegebenes - CIA-Memo vom 10. Oktober 1963 über Lee Harvey Oswald. Dem Warren Report zufolge wollte die CIA den Mann, dem man den Mord am Präsidenten zuschrieb, nicht so recht auf dem Schirm gehabt haben. Tatsächlich aber hatten sich sogar höchstrangige CIA-Leute sechs Wochen vor dem Attentat sehr genau mit Oswalds Aktivitäten befasst. Dieser war in die damals neben Berlin bedeutendsten Geheimdienststadt Mexico City gereist.

Als der einstige CIA-Stationschef von Mexico City von Scotts Bericht erfuhr, sandte dieser ein nervöses Cable nach Langley und warnte die CIA davor, das CIA-Memo öffentlich zugänglich zu machen. Dieses könne neues Licht auf Oswalds Mexico-Reise und das Attentat werfen. Zehn Tage später wurde der CIA-Mann ins Krankenhaus eingeliefert und verstarb.

Kurz nach Scotts Veröffentlichung erklärte die CIA der Presse, was sie zu tun hatte: am 1. April 1967 verteilte sie u.a. an Medienleute ein Memo mit der Empfehlung, Zweifler am Warren Report als "Verschwörungstheoretiker" lächerlich zu machen.