James Bond jagt Dr. Strasser - Update

"Vom Geheimdienst verfolgtem" EU-Lobbyisten wird der Prozess gemacht

Der österreichische Politiker Dr. Ernst Strasser war in die Schlagzeilen geraten, weil als Lobbyisten getarnte Journalisten der BBC dem damaligen EU-Abgeordneten in Brüssel 2010 erfolgreich Bares gegen Politisches angeboten hatten. Der Politprofi hatte sich bereits damals mit der Behauptung verteidigt, er sei nur zum Schein auf das Angebot eingegangen, um die Hintermänner zu enttarnen. Seine Lebensgefährtin soll dies bezeugen, ihr gegenüber habe Strasser gesagt, "Diese Schweine hol' ich mir", meldet Die Presse.

Als vormaliger österreichische Innenminister, der einst der Polizei vorstand, hätte der Jurist eigentlich wissen müssen, an wen er sich bei einem Bestechungsversuch hätte wenden können, und zwar pronto. Doch "die Schweine" machten ihr Material schon nach einem Dreivierteljahr öffentlich, bevor Strasser diese hatte "holen" können.

Strassers Behauptung privater Gegenspionage wurde schon angesichts der den Medienvertretern bekannten Mentalität des Politikers wenig Glauben geschenkt. So hatte der Europaparlamentarier kaum einen Hehl aus seinem Interesse gemacht, in Brüssel vor allem der Wirtschaft zu Diensten sein zu wollen. Strasser hatte schon nach Auffliegen der Affäre als Drahtzieher einen Geheimdienst ausgemacht und sich verfolgt gefühlt. Angeblich habe sich der österreichische Verfassungsschutz über einen V-Mann an Strassers Lebensgefährtin herangemacht, worauf diese sich jedoch nicht eingelassen habe.

Wie häufig auch James Bonds Gegenspieler hat Strasser seine Finger ebenfalls im Glücksspiel, war etwa beim Export von einer Lotterie in eine russische Teilrepublik behilflich, woran man sich inzwischen auch nicht mehr so recht erinnern möchte. Strasser, dem gegenwärtig der Prozess gemacht wird, dürfte vor allem mit einer weiteren Zeugin scheitern. Eine ehemalige Assistentin hatte ihre Glaubwürdigkeit beschädigt, in dem sie abstritt, nach der Affäre Kontakt zu Strasser gehabt zu haben. Doch der einstige Ober-Polizist, der 2002 den "Big Brother Award" erhielt, wurde ausgerechnet Opfer der Telefonüberwachung, die sehr wohl Telefonate und SMS mitgeschnorchelt hatte, meldet Die Presse.

Die Dreistigkeit Strassers erwies sich als produktiver Motor für das daraufhin verschärfte österreichische Antikorruptionsgesetz. Hierbei assistierte ihm eifrig der ebenfalls dumm aufgefallene vormalige österreichische Finanzminister Karl Heinz Grasser. Kabarettisten wetteiferten damit, hochnotpeinliche Abhörprotokolle vorzulesen. Österreich hatte die UN-Konvention gegen Korruption von 2003 unterzeichnet und bereits 2006 ratifiziert, also vor den Affären Strasser und Grasser. Zu den Entwicklungsländern, die das Abkommen im Gegensatz zu über 150 weiteren Staaten noch nicht ratifiziert haben, gehört die Bundesrepublik Deutschland.

Update: Strasser wurde heute zu vier Jahren Haft verurteilt.

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