Japan: Die Spielzeugwaffenmafia

Japanische Gewehre aus dem 17. Jahrhundert. Bild: Rama/CC BY-SA-2.0

Japans strenge Waffengesetze schüchtern selbst die organisierte Kriminalität ein

Asia Times Online berichtet Interessantes über Japans drakonisches Waffenrecht. Die Strafen sind offenbar derart abschreckend, dass die organisierte Kriminalität des fernöstlichen Inselstaates zu einem regelmäßigen Kunden der Spielwarengeschäfte geworden ist. Statt Schutzgelder mit Pistolen oder gar Schnellfeuergewehren einzutreiben, wie sie in den USA unter jedem dritten Ehebett zu liegen scheinen, benutzt man lieber Spielzeugwaffen.

Zu riskant scheint es offenbar selbst hartgesottenen Kriminellen, für den Besitz einer illegalen Feuerwaffe für zehn oder gar, sofern es mehrere sind, 15 Jahre in den Knast zu wandern. Wer im Rahmen eines Überfalls oder einer Auseinandersetzung, zum Beispiel mit anderen Banden, Waffen einsetzt, trägt oder deren Einsatz zu verantworten hat, muss gar mit lebenslangem Freiheitsentzug rechnen.

Das ist nicht nur ein hoher Preis, sondern für die Yakuza-Clans auch kostspielig. Schließlich müssen sie die Familienmitglieder der Inhaftierten versorgen, wie es die Gangsterehre und der Zusammenhalt der gar nicht so besonders klandestinen kriminellen Gruppen erfordert.

Diese betreiben ihre Schutzgeld-, Menschenhandel- und ähnlichen Geschäfte für gewöhnlich unter dem meist eher dürftigen Deckmantel von allgemein bekannten Wohltätigkeitsvereinen, denen bei Vergehen gegen die strengen Waffengesetze die Schließung droht. Und wem das exotisch vorkommt, der denke nur einen Augenblick über die hiesigen Hell's Angels nach, die ein ganz ähnliches Geschäftsmodell verfolgen und sich ebenfalls weitgehend unbehelligt organisieren sowie ihre Kontakte zur Politik pflegen können.

Die Asia Times Online zitiert einen japanischen Kenner der Szene, wonach die Yakuza Waffen inzwischen fast nur noch einsetzt, wenn es um einen gezielten Mord geht. Der Erfolg der drakonischen Gesetze kann sich offenbar sehen lassen. Die Plattform berichtet aus Polizeistatistiken, dass es in ganz Japan im ersten Halbjahr lediglich 12 Schießereien mit 2 Todesopfern gegeben habe. 8 der Schießereien sollen mit der organisierten Kriminalität zusammenhängen.

In den USA gibt es hingegen, wie das Handelsblatt schreibt, bei nicht ganz der dreifachen Bevölkerung Japans durchschnittlich 89 Tote pro Tag durch Schusswaffen. Tagesschau.de spricht von 30.000 Toten pro Jahr. Hierzulande sterben jährlich durch Unfälle und Überfälle mit Schusswaffen 70 Menschen.

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