Japan: Drei weitere AKWs werden stillgelegt

Regierung verweist auf drohendes Mega-Erdbeben und fordert den Betreiber zum Herunterfahren auf

Die japanische Regierung hat den AKW-Betreiber Chubu Electric Corporatioen angewiesen, die Reaktoren des AKW-Komplexes in Hamaoka herunter zu fahren, berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Neben zwei bereits stillgelegten Anlagen sind nach den Angaben der Internationalen Atomenergieagentur IAEA dort noch drei AKW mit einer kombinierten Leistung von rund 3350 Megawatt in Betrieb. Ans Netz gingen sie zwischen 1987 und 2004.

Allein das ist schon ein Ausdruck der enormen Unverfrorenheit der Betreiber, denn Mitte der 1980er Jahre war bereits bekannt, dass der Standort in unmittelbarere Nachbarschaft eines potenziellen Erdbebenherds liegt. Wie auf Telepolis berichtet, wissen japanische Geowissenschaftler seit den 1970ern von verheerenden Erdbeben, die sich in der Region in den letzten Jahrhunderten ereignet haben. Nimmt man einerseits die Tatsache, dass das letzte große Erdbeben etwas länger zurückliegt als der Intervall zwischen den beiden vorhergehenden Beben und andererseits die anhaltende Bewegung der Krustenplatten, die dort zusammenstoßen, so ist für Geophysiker glasklar, dass sich dort einiges Zusammenbraut.

Die Wissenschaftler haben das Ereignis bereits im Vorfeld Tokai-Erdbeben getauft und gehen davon aus, dass es mindestens die Stärke acht auf der internationalen Erdbebenskala haben wird. Nach jahrelangen Protesten gegen die drei noch laufenden AKWs lenkt nun auch die Regierung ein. Dabei mag die Überlegung eine Rolle gespielt haben, dass sich das Land schon allein aus ökonomischen Gründen kaum ein weiteres Desaster wie jenes von Fukushima wird leisten können. Immerhin kann das Tokai-Erdbeben jeder Zeit eintreten und wird es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann in den nächsten 30 Jahren. Tatsächlich ist davon auszugehen, dass die Auswirkungen um so verheerender sein werden, je mehr das Beben auf sich warten lässt, weil sich mit jedem Jahr mehr Spannungen aufbauen.

Interessant am Rande ist, dass sich die Regierung zu diesem Schritt gezwungen sah, obwohl sie von Engpässen bei der Stromversorgung in der weiteren Nachbarschaft der AKWs ausgeht.

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