Japan: Massenproteste gegen Atompolitik

Am Jahrestag des Tsunamis und der Reaktorkatastrophe in Fukushima gibt es massive Proteste gegen die Wiederinbetriebnahme von Atomkraftwerken. Auch in Deutschland Mahnwachen und Demonstrationen

Nach einem Bericht der Internetseite der pakistanischen Tageszeitung Dawn sind am heutigen Montag in ganz Japan Menschen zu Anti-Atom-Protesten zusammen gekommen. An rund 150 Orten hätten Kundgebungen, Mahnwachen und andere Veranstaltungen stattgefunden. Allein aus Tokyo wird von mehr als zehntausend Teilnehmern berichtet. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua zeigt hier einige Bilder der Proteste.

Heute jährt sich zum zweiten Mal der katastrophale Tsunami der einen nördlichen Küstenabschnitt der japanischen Hauptinsel Honshu traf, und dort eine dreifache Reaktorkatastrophe im AKW Fukushima Daiichi auslöste. (Zum Teil waren die Reaktoren bereits vor dem Eintreffen der Flutwelle durch das verheerende Erdbeben, das sie ausgelöst hatte, ganz erheblich beschädigt worden.)

Durch die Flutwelle waren zahlreiche Dörfer und Städte nördlich von Tokyo vollkommen zerstört worden. 19.000 Menschen wurden getötet oder gelten seit dem als vermisst. In Japan wurden unmittelbar nach dem Unglück zahlreiche Reaktoren vom Netz genommen, weitere wurden in den folgenden Monaten nach den regelmäßig anstehenden Revisionen nicht wieder hochgefahren.

Seit dem gibt es in Japan, das bisher wenig Opposition gegen seine AKW-Flotte von einstmals 54 Reaktoren kannte, eine tiefgreifende gesellschaftliche Auseinandersetzung um die künftige Energiepolitik. Die neue konservative Regierung verfolgt nicht nur eine aggressivere Außenpolitik als ihre Vorgänger, sondern setzt auch darauf, möglichst viele AKW wieder in Betrieb zu nehmen. Wie die heutigen Aktionen zeigen, hat aber die neue japanische Anti-Atom-Bewegung noch lange nicht den Mut verloren. Zur Zeit laufen nur zwei Atommeiler, nach dem das Land im vergangenen Frühjahr sogar wochenlang ganz ohne Atomstrom ausgekommen war.

In Deutschland hatten bereits am Samstag an verschiedenen Orten 28.000 Menschen ( nach Angaben der Veranstalter) gegen den fortgesetzten Betrieb von neun Atomkraftwerken sowie weiterer Atomanlagen wie der Urananreicherungsanlage im nordrhein-westfälischen Gronau demonstriert. Die größte Aktion gab es mit rund 20.000 Teilnehmern rund um das niedersächische AKW Grohnde.

Größere Proteste gab es auch in der Nähe des bayerischen AKW Gundremmingen und der baden-württembergischen Meiler in Neckarwestheim. Kritisiert wurde nicht nur der Weiterbetrieb der Atomanlagen, sondern auch die Blockadehaltung der Bundesregierung gegenüber der Energiewende, fehlende Konzepte für den Atommüll und mangelhafte Katastrophenschutzpläne.

Am heutigen Montag waren laut der Kampagnenseite .ausgestrahlt in 190 deutschen Städten Mahnwachen geplant. Hier eine Übersicht.