Japan: Schon wieder Großdemo gegen Atomkraft

Japans Anti-AKW-Bewegung organisiert Woche für Woche Proteste und scheint weiter zu erstarken

In Japans Hauptstadt Tokio haben am Sonntag erneut zehntausende Menschen gegen Atomkraft und die Wiederinbetriebnahme zweier Reaktoren (siehe unter anderem Japanische Regierung will zwei Reaktoren wieder in Betrieb nehmen und Japan: Massenproteste gegen Atomkraft) demonstriert, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Die Demonstranten zogen am Sitz des Fukushima-Betreibers TEPCO vorbei zum Parlament. Organisiert wurde die Demonstration von der Tokioter Metropolitan Coalition Against Nukes, einem örtlichen Bündnis diverser Gruppen, das sich im September 2011 gebildet hatte.

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Die japanische Zeitung The Mainichi schreibt, die Organisatoren hätten 200.000 Teilnehmer gezählt, die Polizei gäbe hingegen nur 17.000 an. Der Protest ist bereits die zweite Großdemonstration gegen AKWs in Tokio innerhalb von nur zwei Wochen. Offensichtlich ist die Anti-AKW-Bewegung erstarkt und will sich mit dem Wiederanfahren von Reaktoren nicht abfinden. Das Land war, nachdem im Mai auch die letzten Reaktoren abgeschaltet wurden, zeitweise gänzlich ohne Atomstrom ausgekommen.

Organisatoren des Protests verwiesen gegenüber der Japan Times darauf, dass es trotz des heißen Sommers – am Sonntag sollen in Tokio rund 35 Grad Celsius gemessen worden sein – bisher keinen Mangel an Elektrizität in der Hauptstadt gebe. Offensichtlich ginge es also auch ohne Atomkraft. Die Zeitung berichtet, dass zu den wöchentlichen Protesten in Tokio inzwischen auch regelmäßige Kundgebungen in einigen anderen Städten kämen.

Derweil wurde am Wochenende auch eine japanische Grüne Partei aus der Taufe gehoben, über deren Gründung die britische Zeitung Guardian schreibt. Rund 1000 Mitglieder hätten sich bisher eingeschrieben. Nach einem Bericht von The Asahi Shimbun hat sich unter anderem die Gruppe "Midori no Mirai" ("Grüne Zukunft"), bestehend aus 70 Mitgliedern lokaler Volksvertretungen, zu Gunsten der neuen Partei aufgelöst, um in diese einzutreten. Man wolle sowohl an den im nächsten Sommer anstehenden Oberhauswahlen als auch an den vermutlich einige Monate später stattfindenden Unterhauswahlen teilnehmen.

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