Japans Regierung bestätigt offiziell dreifachen Super-Gau

Plutonium wurde nun außerhalb des Kraftwerks gefunden und die freigesetzte Radioaktivität ist mindestens doppelt so hoch

Eigentlich ist es schon seit langem klar, dass es in allen drei Reaktoren des havarierten Atomkraftwerks im japanischen Fukushima schnell zu einer Kernschmelze kam. Doch erneut hat es noch einmal zwei Wochen nach der späten Bekanntgabe durch die Betreiberfirma Tepco gedauert, bis auch die japanische Regierung offiziell den Super-Gau in allen drei Meilern bestätigt. Damit ist die "Kernschmelze", wie verharmlosend erklärt wird, auch für Reaktor 3 offiziell bestätigt, in dem auch Plutonium in den MOX-Brennelementen eingesetzt wird.

Da die geschmolzenen Brennstäbe schon Löcher in die Sicherheitsbehälter gefressen haben, darf man sich nicht wundern, wenn nun wieder das hochgiftige Plutonium (Halbwertszeit 24.000 Jahre) gefunden wurde. Anders als bei den frühen Plutoniumfunden auf dem Kraftwerksgelände wurde es nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo nun in der Stadt Okuma gefunden. Die Stadt liegt etwa zwei Kilometer entfernt vom Atomkraftwerk. ()

Nun wird auch eingeräumt, dass durch die Kernschmelze in Reaktor 1 schon fünf Stunden nach dem Erdbeben der Sicherheitsbehälter beschädigt worden war. Schon lange war klar, dass dieser Reaktor schon das Erdbeben nicht überstanden hat, womit die Mär widerlegt wurde, dass erst der ungewöhnlich starke Tsunami für die starken Schäden verantwortlich war. Daran hielt Japan lange fest, um keine Konsequenzen für das gefährliche Atomprogramm ziehen zu müssen.

Was die nun seit fast drei Monaten bekannte Salamitaktik angeht, so gibt es auch an der Strahlungsfront neue Hiobsbotschaften, die aber in der breiten Öffentlichkeit kaum mehr wahrgenommen werden. Mit einer Verspätung von mehr als zwei Monaten teilten die Behörden nun mit, dass die Radioaktivität, die allein in den ersten fünf Tagen nach dem Erdbeben und dem Tsunami am 11. März freigesetzt wurde, auf mindestens 770.000 Terabecquerel zu beziffern ist. Das ist eine doppelt so hohe Radioaktivität, als bisher zugegeben worden war. So darf nicht verwundern, wenn die Behörden im Matsch von Wassergräben in der Präfektur Fukushima schon Strahlendosen von 100 Mikrosievert pro Stunde gemessen haben. Man würde dort in zehn Stunden einer so hohen Radioaktivität ausgesetzt, der man allerhöchstens in einem Jahr ausgesetzt sein sollte.

Anders als die gewohnt optimistischen Meldungen aus Japan weis machen wollen, ist man nicht auf dem Weg, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Inzwischen wissen die Verantwortlichen schon nicht mehr, wohin mit dem extrem verstrahlten Wasser, das zur Kühlung eingesetzt wird. Man könnte jetzt den Vorgang wiederholen, das Wasser aus den Behältern ins Meer abzulassen, um Platz für noch höher radioaktives Wasser zu schaffen. Zudem hat in Reaktor 1 ein Roboter extreme Strahlenwerte von 4000 Millisievert pro Stunde gemessen. Diese Werte sind absolut tödlich. Nur wenige Minuten einer solchen Strahlung ausgesetzt, würden Menschen schnell an einer akuten Strahlenkrankheit erkranken und bald sterben. Ein Arbeiten in dem Reaktor ist damit praktisch unmöglich.

Inzwischen kursieren auch schon Videos auf Youtube, die auf durch Strahlung ausgelöste Mutationen hinweisen. Ein "Yuunosato" hat ein Video hochgeladen, das ein Karnickel in einem Kaninchenstall etwa 30 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt zeigen soll. Dort wo bei den übrigen Tieren die Löffel sitzen, ist bei dem Jungtier nicht einmal ein Ohransatz zu sehen. Die Aufnahmen sollen aus der Stadt Namie stammen, die außerhalb der 20 Kilometer großen Sperrzone und sogar noch außerhalb der erweiterten Evakuierungszone liegt.

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