Jetzt will auch noch Mafia von Kuba entschädigt werden

Enkel des kriminellen Geschäftsmanns Meyer Lansky will das Hotel Riviera in Havanna rückübertragen bekommen

In den USA hat sich einer der Erben eines historischen Mafia-Bosses zu Wort gemeldet, um von der kubanischen Regierung Entschädigung für enteignete Güter auf der sozialistischen Karibikinsel zu verlangen. Die Forderung eines Enkels des russischstämmigen Paten Meyer Lansky (1902-1983) wurde von der Lokalzeitung Tampa Tribune publik gemacht. Der 60-Jährige Mafia-Erbe Gary Rapoport wohnt in der Stadt im US-Bundesstaat Florida.

Rapoport fordert die Rückübertragung des Hotels Riviera im Stadtteil Vedado von Havanna – oder den entsprechenden Marktwert in Bargeld. "Das Hotel wurde meinem Großvater unter Zwang enteignet", sagte der Mann der Tampa Tribune: "Kuba schuldet meiner Familie Geld." Der Bau des Hotels Riviera an der Bucht von Havanna hatte im Jahr 1950 rund acht Millionen US-Dollar gekostet. Heute befindet es sich in Staatsbesitz.

Die Forderung wurde zeitnah zu Verhandlungen zwischen den Regierungen von Kuba und den USA über Entschädigung von Betroffenen der Enteignungen publik. Der Wert dieser Güter wird heute auf rund 1,9 Milliarden US-Dollar geschätzt, betroffen sind rund 6.000 US-Bürger und Unternehmen. In den Monaten und Jahren nach der Revolution am 1. Januar 1959 waren Schlüsselindustrien verstaatlicht worden. Dazu zählte auch der Tourismus. Das Hotel Riviera wurde im Herbst 1960 verstaatlicht, ebenso wie unter anderem die kubanischen Elektrizitätswerke, die Telekommunikationsgesellschaft und der Besitz des Coca-Cola-Konzerns sowie des Spirituosenherstellers Bacardí.

Bei den Mafia-Liegenschaften kam erschwerend hinzu, dass sie mutmaßlich mit Drogengeld finanziert worden waren. Zudem unterhielt die US-Mafia enge Kontakte zur Diktatur von Fulgencio Batista. Revolutionsführer Fidel Castro bekräftigte daher bei seinem Vormarsch auf Havanna im Dezember 1959 an, die Mafia-Oberen eher erschießen zu lassen als sie an die USA auszuliefern.

Die Tampa Tribune berichtet, dass Rapaport in Kontakt mit Rechtsanwälten in Miami stehe, die auf die Vertretung von enteigneten Alteigentümern von Immobilien in Kuba spezialisiert seien. Angeblich soll der Mann auch mit einem Unterhändler aus Kuba Kontakt aufgenommen haben. Von kubanischer Seite wurde der Fall bislang offiziell jedoch überhaupt nicht kommentiert. Einige Medien aus dem sozialistischen Inselstaat griffen die Meldung eher als Kuriosum auf.

In den 1950er Jahren gehörte der aus Russland stammende Meyer Lansky zu den mächtigsten Vertretern des organisierten Verbrechens, das in die Tourismus- und Glücksspielbranche in Havanna investierte. Der 1983 in Miami verstorbene Lansky pflegte enge Kontakte mit dem italienischen Mafia-Boss Lucky Luciano. Lansky war einer der Finanzexperten der Mafia und mutmaßlich für Geldwäsche-Geschäfte zuständig. Zu seinen Immobilien in der kubanischen Hauptstadt gehörten neben dem Hotel Riviera das Hotel Nacional und der nahe Montmartre-Club, der heute nicht mehr besteht.

Meyer Lansky, der "Buchhalter der Mafia", wurde in den USA allerdings nie rechtskräftig verurteilt. Im zweiten Teil der Spielfilm-Trilogie "Der Pate" floss seine Figur ebenso ein wie in der Serie des US-Produzenten HBO "Boardwalk Empire". Rapoport versuchte nun, die Ehre seines Großvaters zu verteidigen. Ein "Großteil" seines Einkommens sei legal gewesen, sagte er. Wer in seinen Casinos sein Geld verloren hatte, habe von ihm Kost und Logis sowie ein Rückflugticket spendiert bekommen.