Journalisten behindert

Auf dem UN-Klimagipfel wurde die Bewegungsfreiheit der Presse massiv eingeschränkt. ZDF und ARD protestieren

Normalerweise sind UN-Klimagipfel eine recht lockere Angelegenheit: Umweltschützer, Industrielobbyisten, Delegierte und Journalisten wuseln munter durcheinander. Auch die meisten Sitzungen sind für alle zugänglich. Mitunter können die Beobachter sogar durch die Reihen im Plenarsaal schlendern. Nur manchmal wird im kleineren Kreise hinter verschlossenen Türen verhandelt. Außerdem schließen Regierungen Beobachter gerne von ihren Pressekonferenzen aus, weil sie sich nicht durch ihre Fragen nerven lassen wollen. Saalschützer in den bunt betrassten Phantasieuniformen der UN passen dann an der Tür auf, dass die Eintretenden sich als Journalisten ausweisen können.

Doch in Kopenhagen scheint im diesen Jahr alles anders. Nicht nur, dass die Polizei auf der Straße außer Rand und Band ist, wie auch einige Konferenzteilnehmer schmerzhaft zu spüren bekamen, und zahlreiche Delegierte der Nichtregierungsorganisationen seit gestern vom Gipfel ausgeschlossen sind. Auch die Arbeit der Presse wird massiv behindert. ARD und ZDF haben dagegen heute in einem offenen Brief protestiert, der den folgenden Wortlaut hat:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten hiermit gegen die massive Beschränkung der freien Berichterstattung auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen protestieren. Seit heute dürfen sich Journalisten im Konferenzzentrum nicht mehr frei bewegen. Drehs außerhalb des Pressezentrums sind nur noch möglich, wenn ein Delegationsmitglied das Kamerateam und den Reporter an der Sicherheitsschleuse abholt und das Team dann von einem UN-Verantwortlichen begleitet wird. Spontane Drehs sind unmöglich. Selbst die UN-Medienkoordination wurde offenbar von diesen Maßnahmen überrascht, da die Verschärfung nicht angekündigt war. Diese Maßnahmen verstoßen gegen die Presse- und Rundfunkfreiheit und behindern die Arbeit der Medien in höchstem Maße. Wir sehen das Recht der freien Berichterstattung massiv eingeschränkt. Daher fordern wir die sofortige Aufhebung dieser Einschränkung für alle Journalistinnen und Journalisten auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen.

Mit freundlichen Grüßen,

Nikolaus Brender (Chefredakteur ZDF)

Thomas Baumann (Chefredakteur ARD)

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