Jule Neigel beklagt "Propaganda" der Piratenpartei

GEMA-Funktionärin verkündet Wahrheiten

Die GEMA bietet seit Juni die vor allem in den 90er Jahren erfolgreiche Schlagersängerin Jule Neigel als stellvertretende Aufsichtsrätin auf. In einem Interview des Branchenmagazins GIGA positionierte sich die Künstlerin ausdrücklich gegen die Piratenpartei. Die Piraten wollten Neigel zufolge "die Enteignung des geistigen Eigentums, egal wie sie es schönreden" und kooperierten mit der Internetindustrie, namentlich Youtube. Die Piratenpartei sei in Wahrheit auf Wählerfang aus, deren Standpunkt sei "unverschämt und unsozial und kein bisschen demokratisch".

Neigel zufolge verschweigen die Piraten, dass „die Urheber, die Künstler, die Plattenfirma, die Verlage bei Youtube leer ausgingen (was allerdings wohl eher mit der Blockadehaltung der GEMA zu tun haben dürfte). Die Piraten hätten "nur ein Interesse: der GEMA zu schaden und die Urheber zu schwächen, um damit Geschäftsmodelle und Wählerinteressen zu optimieren." Dabei sei "die GEMA der einzige wahre Vertreter der Urheber". Auch die Kritik der Clubbesitzer, welche die für das kommende Jahr angekündigte Tarifreform als existenzbedrohend bewerten, seien unangemessen, die im Bundesanzeiger veröffentlichten Tarife seien lediglich eine Verhandlungsgrundlage. Es würden vielmehr Einzelverhandlungen mit allen Clubs geführt. Etwas anderes zu behaupten sei ein unschöner Trick seitens des DEHOGA.

Dem Beauftragten für Urheberrecht der Piratenpartei, Musikproduzent Bruno Kramm, war das Klagelied der GEMA-Funktionärin dann doch ein wenig zu schrill. Ernstzunehmende Verhandlungspartner für die GEMA seien Kramm zufolge nur Verbände, etwa die Karnevalisten, die gerade einen Brauchtumsrabatt vom 15% erhielten. Insbesondere bei Nischen fehle es an Verbänden. Stimmberechtigtes Mitglied der GEMA könne man nur werden, wenn man aus dem GEMA-Verteilungssystem mehr als 6.000,- € im Jahr erziele, was insbesondere für Konzertmusiker wegen des (vielfach als undurchsichtig kritisierten) Verteilungsschlüssels unrealistisch sei. In der Summe seien die Delegierten (100 Delegierte zu über 3000 ordentlichen Mitglieder) kaum fähig, etwas zu erreichen, dies sei allenfalls ein Feigenblatt einer Demokratie. Kramm warf der Diva vor, sich den von Piratenseite vielfach angebotenen Gesprächen kategorisch zu verweigern, was mit ihrer repräsentativen Funktion nicht zu vereinbaren sei. Piraten, die bei Neigel via Facebook anfragten, würden geblockt.

Auf besagtem Facebook-Profil prangt der Slogan "Ja zum Urheberrecht" - eine Position, die entgegen einem populären Irrtum die Piraten teilen. Neigels Begeisterung für das gegenwärtige Urheberrecht ist insofern bemerkenswert, als dass sie nach eigener Aussage als Künstlerin deshalb solange habe pausieren müssen, weil Bandmitglieder ihr die Rechte an ihren Kompositionen streitig gemacht hätten. Nicht die Piraten hatten der Musikantin geschadet, sondern die Künstlerkollegen.

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