Jung, männlich und ohne Arbeit

Großbritanniens "Broken Society" im Spiegel der Gerichtsdaten

Die Gerichte, die in Großbritannien über die Länge der U-Haft von Personen entscheiden, die im Zuge der Unruhen festgenommen wurden, geben Daten zu den Verfahren an Medien weiter. So veröffentlicht der Guardian eine Art Katalog dessen, wer sich vor den Magistratsgerichten in den letzten Tagen zu verantworten hatte und wie die Gerichte verfahren. Die Auswertung ergibt ein Bild, das einige prägnante große Linien zeigt.

Die Angeklagten sind demnach mehrheitlich jung, männlich und ohne Arbeit. Die überwältigende Mehrheit, 66 Prozent, ist jünger als 25 Jahre. 17 Prozent sind im Alter zwischen 11 und 17 Jahren und nur eine geringe Zahl über 30. Mehr als 90 Prozent sind männlich. Da nur wenige einen Job angaben, geht die Zeitung davon aus, dass die meisten ohne Arbeit sind.

Als weitere Auffälligkeit stellt die Zeitung heraus, dass ein großer Teil der Angeklagten, die sich vor Gericht zu verantworten haben, aus problematischen Vierteln stammen. Die bisher erlangten Daten wurden dem Städteplaner Alex Singleton vorgelegt, der die Adressen der Angeklagten mit einer Karte abglich, auf welcher die besonders problematischen Armuts-Zonen verzeichnet sind ( England's Indices of Multiple Deprivation).

Herauskam, dass 41 Prozent der Beschuldigten in einer der Zonen zuhause war, die zu den 10 Prozent der am meisten benachteiligten Gebiete in Großbritannien gehören. Darüberhinaus vermerkt der Bericht, dass zwei Drittel der Viertel, in denen die Angeklagten leben, zwischen 2007 und 2010 weiter verarmten. Singleton plädiert dafür, dass solche Bedingungen in die Diskussion über die Unruhen mit hinein genommen werden müssen:

"A 'broken society' happens somewhere, and geography matters."

Die Magistratsgerichte, die nur über Haft bis zu sechs Monaten entscheiden können, gehen bei ihren Haftprüfungen außergewöhnlich streng vor, wie die Daten darüberhinaus zeigen. So würde die Haftdauer in vielen Fällen ausgereizt. Im Durchschnitt sei sie um 25% länger als "normal".

"More than half those imprisoned were charged with theft or handling stolen goods, receiving an average of 5.1 months. This is 25% longer than the average custodial sentence for these crimes of 4.1 months seen in courts during 2010, according to Ministry of Justice statistics."

Auch die Häufigkeit der Entscheidung zugunsten einer Haft, hebe sich deutlich von dem ab, was Statistiken im alltäglichen Durchschnitt zeigen:

"This 70% rate of imprisonment compares with a "normal" rate of just 2% in magistrates courts."

Für die ohnehin überfüllten Gefängnisse in Großbritannien könnte dies Probleme bereiten, so die Informationen der britischen Zeitung. Vertreter des Justizministeriums wiegeln demgegenüber ab.