Junge Männer, die bei ihren Eltern wohnen, sind gefährlich

Nach einer britischen Studie neigen 20-24-jährige Männer, die Nesthocker bleiben, deutlich stärker als ihre Altersgenossen zur Gewalt.

Gewalt geht vor allem von männlichen Jugendlichen und jungen Männern aus. Opfer werden in aller Regel andere junge Männer. Verbunden mit der Gewalt ist oft Alkoholkonsum. Mit zunehmendem Alter geht die Neigung zur Gewalt zurück, allerdings erst ab dem Alter von 24 Jahren. Mädchen sind insgesamt weniger gewalttätig, zudem geht bei ihnen schon ab 20 Jahren deutlich zurück.

Es gibt allerdings eine Gruppe von jungen Männern, die hauptsächlich dafür sorgen, dass sich bei den Männern in der Altersgruppe zwischen 20 und 24 Jahren noch kein Rückgang wie bei den Frauen ergibt. Sie zeichnet aus, dass sie noch bei ihren Eltern leben, was ihnen nicht gut zu tun scheint oder was mit ihrer Neigung zur Gewalt zu tun haben könnte, wie die forensischen Psychiater Jeremy Coid und Ming Yang von Queen Mary, University of London, in ihrer Studie herausgefunden haben, die in der Zeitschrift Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology vorab online erschienen ist.

Ausgewertet haben die Wissenschaftler für ihre Studie eine Umfrage unter mehr als 8000 Frauen und Männern, in der diese nach psychischen Störungen und gewalttätigem Verhalten während der letzten fünf Jahre befragt wurden. Danach haben bei den 20-24-Jährigen diejenigen, die noch bei ihren Eltern leben, das größte Risiko, Gewalt auszuüben oder zu erleiden, als die übrigen. Sie stellen in ihrer Altersgruppe bei den Befragten nur einen Anteil von 4,3 Prozent, aber sie seien für 16 Prozent der in den letzten fünf Jahren begangenen Gewalttaten verantwortlich. Überdies liegt nach der Umfrage bei ihnen ein zuschreibbares Risiko von 21,4 Prozent vor, von einer Körperverletzung zu berichten. Allerdings ist exzessiver Alkoholgenuss fast ebenso riskant wie Wohnen bei den Eltern, psychische Störungen in der Kindheit spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.

Für Coid ist das eine bedenkliche Erkenntnis, da die Zahl der jungen Menschen – und vor allem eben auch der Männer -, die in diesem Alter noch bei den Eltern leben oder leben müssen, in den letzten Jahrzehnten stetig angewachsen ist. Die jungen Männer seien dann schon zu alt, um von ihren Eltern noch beeinflusst werden zu können. Gewalt werde allerdings meist außerhalb und meist gegenüber Fremden ausgeübt und sei eine der "hedonistischen und negativen sozialen Verhaltensweisen wie exzessives Trinken, Drogenmissbrauch, sexuelle Risiken und nicht gewalttätiges antisoziales Verhalten".

Das alles sei bei jungen Männern die bei ihren Eltern leben und daher "nicht verantwortlich sein müssen, eine Wohnung zu unterhalten, abhängige Kinder zu versorgen oder Vorteile aus ihrem Verhalten beim Zusammenleben mit einem weiblichen Partner zu ziehen". Zudem kriegen sie auch finanzielle Zuwendungen von ihren Eltern und hätten damit oft mehr Geld als die jungen Männer, die ausgezogen sind, was nach Coid wieder dazu beitragen könne, dass sie mehr Probleme mit dem Alkohol haben.

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