Kalter Krieg gegen WikiLeaks

Konto gesperrt: Assange wirft den USA "Kriegsführung mit finanziellen Mitteln" gegen WikiLeaks vor. Angeblich sind für nächste Woche neue Veröffentlichungen über den Irak-Krieg geplant

Dieses Leck ist offensichtlich nicht zu schließen. Trotz geheimdienstlichen Manövern, Diffamierungen, schwarzer Propaganda (siehe "Schmutzige Tricks"?), Einschüchterungen aller Art und nun auch "Kriegsführung mit finanziellen Mitteln" gegen ihn, wie dies WikiLeaks-Gründer Julian Assange aktuell den USA vorwirft, wird kommende Woche das nächste Paket an geheimen Militär-Dokumenten für die Weltöffentlichkeit erwartet. Fünf mal so groß wie das afghanische Dossier soll das nächste Dokumenten-Paket sein: bis zu 400. 000 Berichte aus dem Krieg im Irak in den Jahren 2004 bis 2009.

Nachdem die US-Regierung versuchte, ihn mit allerhand Drohungen und Manövern zum Stillhalten zu bewegen, in Erwägung gezogen wurde auch, ihn strafrechtlich zu fassen, sieht sich Assange jetzt einer neuen Kampagne ausgesetzt: dem Versuch, WikiLeaks finanziell auszutrocknen. Als Beweis für den Finanzkrieg gegen ihn zitiert Assange die Sperre des WikiLeaks-Konto bei Moneybookers. Das Unternehmen, das in Großbritannien registriert ist, ermöglicht Bezahlungen im Internet und sammelt Spenden für WikiLeaks.

Wie aus einer E-Mailkorrespondenz zwischen WikiLeaks und Moneybookers hervorgeht, die in der britischen Zeitung Guardian veröffentlicht wurde, hat Moneybookers das Konto der Organisation gesperrt. Weil Wikileaks auf sogenannte "schwarze Listen" in den USA und in Australien gesetzt wurde. Zunächst, so wird aus dem Mail eines Moneybookers-Verantwortlichen zitiert, sei das Konto gesperrt worden, weil auf ihn mittels einer IP-Adresse zugegriffen wurde, die auf die schwarze Liste gesetzt war. In diesem Zusammenhang ist die Rede von Verdacht auf "Geldwäsche" und "Untersuchungen", die von Regierungen durchgeführt werden. Später wurde dann erklärt, dass WikiLeaks nach seinen Web-Veröffentlichungen Ende Juli (siehe NFI. 56 Killed None(None) Insurgent) auf schwarze Listen bzw. "Watchlists" in Australien und den USA gesetzt wurde und die Geschäftsbeziehungen mit dieser Organisation damit beendet seien.

Während sich das Unternehmen, das nach Angaben des Guardian von Investcorp in Bahrain kontrolliert wird, nicht weiter zu dem Fall äußern wollte, ist Assange über die "Feigheit" von Moneybookers wütend und prophezeit dem Unternehmen einen möglichen größeren Rückschlag für diese Aktion - weil solches Verhalten gegenüber der US-Regierung wahrscheinlich nicht als sympathisch wahrgenommen würde.

Unterdessen bereitet Spencer Ackerman, der den Irak-Krieg von den Anfängen an in sehr unterschiedlichen Medien kommentierte, die interessierte Öffentlichkeit auf die nächsten Materiallawine aus dem Wiki-Leck vor. Um das Problem der Unübersichtlichkeit zu kontern, präsentiert Ackerman ein paar Fragen, anhand derer es sich lohnen würde, das Material aufzuschlüsseln, etwa die Entwicklung der Straßenbomben zu "Superbomben" - und inwieweit der Iran laut Dokumenten dabei die Finger im Spiel hatte.

Andere bisher ungelöste Fragen beträfen die Verhältnisse in Gefängnissen ("Warum gab es nach Abu Ghraib nur mehr einen Gefängnisskandal?"), verloren gegangene US-Waffen, die ethnischen Säuberungen im Irak, der Luftkrieg der USA und dessen Kollateralschäden.

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