Kanada: Dicke haben ein Recht auf zwei Sitze im Flugzeug

Der Oberste Gerichtshof bestätigte letzte Woche eine entsprechende Vorschrift der Verkehrsbehörde

Für das englische Wort "obese" gibt es im Deutschen keine wirklich zutreffende Entsprechung. Es ist eine Steigerung von "fat". In der Simpsons-Episode "King Size Homer" erwirbt sich der Titelheld durch eine Gewichtssteigerung von "fat" auf "obese" das Recht, als Behinderter eingestuft zu werden und von zu Hause aus arbeiten zu dürfen. Seiner Tochter gegenüber rechtfertigt er die absichtliche Herbeiführung dieser Gewichtssteigerung mit einer Analogie zum Schicksal von Transsexuellen: "All my life I've been an obese man, trapped in a fat man's body."

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In Kanada entschied jetzt der Oberste Gerichtshof, dass eine Vorschrift der Canadian Transportation Agency Bestand hat, die Menschen, welche durch ihr immenses Körpergewicht als "funktionell behindert" gelten, auf Flügen innerhalb Kanadas das Recht auf zwei statt nur auf einen Sitzplatz zubilligt. Gegen diese Regel hatten die Fluggesellschaften Air Canada, Air Canada Jazz und WestJet geklagt, waren aber mit ihrem Anliegen den kompletten Rechtsweg hindurch gescheitert.

Die Vorschrift, gegen die sie aufbegehrt hatten, verbietet ihnen auch, den zweiten Sitzplatz indirekt über eine Preisdiskriminierung nach Gewicht in Rechnung zu stellen. Im Juni hatte in den USA eine nicht ernst gemeinte Anzeigenkampagne Aufsehen erregt, die einen solchen nach Körpergewicht bemessenen Flugticketpreis versprach. Bei Kranken- und anderen versicherungen dürfen Dicke dagegen bislang sowohl in den USA als auch in Deutschland legal diskriminiert werden.

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