Karrierewunsch von Schülern: Hauptsache prominent

Britische Lehrer kritisieren den derzeitigen "Prominentenkult", der Arbeit und Lernen entwertet.

Verwunderlich ist nicht, was eine von der Association of Teachers and Lecturers durchgeführte Umfrage unter 300 britischen Lehrern ergeben hat. Zweidrittel sagten, die Schulkinder würden vor allem Sport- oder Popstars werden wollen. Während die Jungen sich David Beckham zum Vorbild nehmen würden, sei es bei vielen Mädchen dessen Frau Victoria oder Paris Hilton.

Interessant mag sein, was daraus für Konsequenzen gezogen werden. Nach der Lehrergewerkschaft ruiniert der "Prominentenkult" das Land, weil er die Wünsche und Erwartungen der Kinder "pervertiert". Zudem führe die Orientierung an der Prominenz zu einem "Gefühl des Scheiterns, der Entfremdung und der niedrigen Selbsteinschätzung", wenn man es nicht schafft. Die Kinder würden nämlich oft nur den Prominentenstatus anstreben wollen, ohne ein besonderes Talent zu haben. Prominenz als solche sei für viele das Ziel. Akademischer Erfolg werde als gar nicht notwendig erachtet, man könne ja auch durch eine Reality-TV-Sendung berühmt werden.

Mary Bousted, Generalsekretärin der Lehrervereinigung, meint, dass Prominente auch eine positive Wirkung auf Schüler ausüben könnten, viele würden jedoch glauben, jeder könne prominent werden. Dazu aber sei "harte Arbeit", auch aktives Lernen in der Schule, notwendig, versucht sie dennoch Lernen und Schule zu retten. Allerdings ist es in der durch Medien verstärkten Aufmerksamkeitsökonomie keineswegs immer notwendig, mit hart erarbeiteten Fähigkeiten Prominenz zu erlangen. Manchmal reicht auch schon Glück, ein schöner Körper, ein schräger Einfall, schließlich ist der Bedarf an Prominenz hoch. Allerdings muss man wohl bestimmte Talente haben, um im Aufmerksamkeitsgeschäft mitspielen zu können – und dies auch zu wollen.

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