Kein Frieden für Sigmar Gabriel

Außer Kontrolle

Sigmar Gabriel lobt den Aufruf der Schriftsteller gegen Überwachung und erntet Schelte. Völlig unverständlich.

Menschen sind schlichtweg nie zufrieden. Mal sollen sich Menschen gegen Überwachung aussprechen, mal sollen Politiker bürgerliches Engagement loben – und dann... dann werden sie noch dafür gescholten, dass sie diesem Wunsch nachkommen.

Ja, man muss Mitgefühl mit Sigmar Gabriel haben. Der Chef der Partei, die sich wieder für den kleinen Mann einsetzen will, wenn er nicht gerade sozialschmarotzend in der ALG-II-Hängematte herumschaukelt und am Bierdöschen nuckelt, hat den Aufruf der Schriftsteller gegen Überwachung nicht nur wohlwollend zur Kenntnis genommen, nein, er hat auch noch (trotz der momentan kräftezehrenden Verhandlungen um die Ministerposten) Zeit gefunden, diesen auf Facebook zu kommentieren.

"Das ist eine wunderbare und beeindruckende Aktion. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich Intellektuelle jemals global in dieser Form zusammengeschlossen haben. Der Kampf um bürgerliche Freiheiten hat einst national begonnen, jetzt findet er erstmals international gemeinsam statt. Ein tolles Zeichen!"

So schreibt er - und es fällt schwer, sich nicht vorzustellen, wie er glücklich lächelt, weil sich endlich auch deutsche Menschen gegen eine ausufernde Überwachung im Internet aussprechen. Etwas, was ja noch nie vorgekommen ist – die anderen, die die offenen Briefe unterzeichneten, Verfassungsklagen anstrengten oder auf Demonstrationen herumliefen, waren ja nur Pöbel. Aber In-tel-lek-tu-elle! Das ist natürlich was anderes - und daher ist es verständlich, dass der ehemalige Popminister nun auch geradezu euphorisch reagiert.

Und was ist der Lohn dieser Arbeit? Hohn und Spott prasseln auf den armen SPD-Chef hernieder, dabei wird nicht einmal davor Halt gemacht, seine Aussage, Anders Breijvik sei durch die Vorratsdatenspeicherung gefunden worden, ins Lächerliche zu ziehen bzw. anzuzweifeln. Typische Rabulistik der VDS-Gegner, die zynisch und menschenverachtend agieren.

Das muss ihn hart treffen, den Herrn Gabriel - und es bleibt zu hoffen, dass die Herren und Damen Schriftsteller sich jetzt einmischen und ihn verteidigen. Immerhin hat er schon in Aussicht gestellt, dass er sie Anfang des Jahres zu einem Gespräch einladen will – vielleicht hat er ja auch die Vorratsdatenspeicherung als Geschenkle dabei.

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