Kein Smartphone ohne Grund

Harald Taglinger
Neben der Spur

Amazon hat kein Smartphone auf die Welt gebracht, sondern einen Einkaufskorb, mit dem man telefonieren kann.

Man frägt sich ja schon: Was hat eigentlich einen Steve Jobs dazuu bewogen, plötzlich Telefone bauen zu wollen? Warum bietet Google sein Betriebssystem für Smartphones an? Und warum in Gottes Namen fängt jetzt auch noch Amazon an, in einen Markt zu drängen, der eigentlich schon genügend Hersteller, Modelle und Stückzahlen kennt.

Die Antwort liegt am Ohr...auf der Hand. Mit diesen Geräten kann man telefonieren, ja schon, aber man tut vor allem das damit, was den Herstellern am Herzen liegt. Apple, und man darf vielleicht die Kooperation mit Motorola seit 2004 nicht dabei vergessen, ging und geht es bei der Präsentation des iPhone vor allem auch darum, iTunes und den App Store in das richtige Licht zu rücken. Steve Jobs hatte die Vision, Apple zum Content-Konzern mit eigener Hardware umzuformen. Könnte man sagen. Und das ist ihm insofern gelungen, da alleine der App Store im vergangenen Jahr einen Umsatz von zehn Milliarden US-Dollar generiert hat. Manche Telefonhersteller wären froh um solche Zahlen.

Google wiederum geht es darum, dass möglichst viele Smartphones möglichst viele Daten nutzerbezogen generieren. Und diese fließen auch wieder zu Google zurück, damit bei einer Suche auf Google noch schönere Suchergebnisse mit auf das eigene Profil zugeschnittenem Advertising verbunden sind. Telefonieren? Ja, kann man mit einem Android-Handy auch.

Und jetzt präsentiert Jeff Bezos von Amazon mit dem "Fire Phone" vergangene Woche das ganz heiße Ding. Kunden sollen dafür Feuer fangen, überall und ständig Dinge mit dem Smartphone erkennen und gleich bestellen zu können. Bei? Richtig, bei Amazon. Der Hörknochen als verlängerter Einkaufskorb soll einen nach immer mehr und nach Das will ich auch schreien lassen. Und schon kommt der Einkauf ins eigene Haus. So kann man das machen. Wenn man Amazon ist.

Mal schauen, wann der vierte Smartphone-Gigant einsteigt und ein Gerät auf den Markt bringt, das auf der Basis meiner Daten bei Google die Programme auf dem Phone meines Nachbarn erkennt und sie mir gleich via App Store herunterlädt. Oder noch besser, das Gerät, das mich vorsorglich warnt, dass ich jetzt dann gleich mit anderen Geräten wieder einen nächsten Einkauf entdecken und sofort herunter laden werde, nur um dann bei meiner nächsten Websuche (ja, man sucht noch tatsächlich selbst) auf noch mehr dieser Dinge hingewiesen zu werden.

Das wäre eine Marktlücke.