Kein erhöhtes Gehirntumorrisiko für Kinder durch Handynutzung

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler die Handynutzung von 7-19 Jahre alten Tumorpatienten aus vier Ländern

Vermutet wurde, dass Kinder, die zunehmend häufiger Handys benutzen, am ehesten durch die von ihnen ausgehende Strahlung gesundheitlich gefährdet sein könnten. Als Grund wurde vermutet, dass ihre Gehirne sich noch entwickeln und ihre Schädel kleiner sind, so dass die hochfrequenten elektromagnetischen Felder tiefer in die Gehirne gelangen könnten. Wissenschaftler vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut geben nun nach ihrer Studie, die im Journal of the National Cancer Institute veröffentlicht wurde, eine teilweise Entwarnung. Für Kinder und Jugendliche, die mit dem Handy telefonieren, gebe es im Vergleich zu solchen, die keine Handys benutzen, zumindest kein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Hirntumors.

Die Schweizer Wissenschaftler haben mit Kollegen aus Dänemark, Norwegen und Schweden mit fast alle 7-19-Jährigen, die in den vier Ländern zwischen 2004 und 2008 mit der Diagnose eines Hirntumors registriert wurden (352, Teilnahme: 83%), sowie ihre Eltern über die Handynutzung befragt und deren Krankheitsgeschichte analysiert. Dazu wurde eine Vergleichsgruppe, die im Hinblick auf Alter, Geschlecht und Region der ersten Gruppe glich, mit 646 Teilnehmern ausgewählt und ebenfalls befragt. Wenn möglich wurden Aufzeichnungen des Mobilfunkproviders ausgewertet.

Von den Tumorpatienten haben 265 (75%) vor der Diagnose schon mehr als 20 Mal mit dem Handy telefoniert, in der Kontrollgruppe waren es 466 Kinder und Jugendliche (72%), 194 Tumorpatienten (55%) und 329 Kinder und Jugendlich aus der Kontrollgruppe haben nach den Berichten regelmäßig das Handy benutzt. Bei den Tumorpatienten ergab sich statistisch keine höhere Wahrscheinlichkeit für eine regelmäßige Handynutzung. Kinder, die mindestens 5 Jahre vor der Studie mit der Handybenutzung begonnen hatten, wiesen gegenüber Kindern, die niemals regelmäßig Handys nutzten, kein statistisch signifikantes erhöhtes Risiko auf. Allerdings wurde bei denjenigen, bei denen Daten vom Provider vorlagen (welche also Vorratsdatenspeicherung betrieben), ein Tumorrisiko im Hinblick auf die Zeit seit Beginn der Nutzung, nicht aber im Hinblick auf die Nutzungsdauer festgestellt. Beobachten ließ sich auch kein erhöhtes Risiko für die Gehirnareale, die am stärksten den hochfrequenten elektromagnetischen Feldern ausgesetzt sind. Die Wissenschaftler schreiben, dass sich aufgrund der vorliegenden Daten keine kausale Verbindung zwischen der Handynutzung und Hirntumor feststellen lässt. Da aber die Nutzung bei Kindern und Jugendlichen immer intensiver werde und weiter Unsicherheiten bestehen, müsse man die Entwicklung weiter beobachten und Risiken abklären.

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