Kein gutes Haar an Barschel

Führt eine DNA-Probe zur Aufklärung des spektakulären Mordes?

Drei Monate vor dem 25.Todestag Uwe Barschels gerät der mysteriöse Tod des streitbaren Politikers wieder in die Schlagzeilen. Der CDU-Politiker Werner Kalinka hatte DNA-Untersuchungen von Haaren durchgesetzt, die am Tatort gefunden wurden. Diese kriminalistische Technologie stand seinerzeit nicht zur Verfügung. Da es sich um dicke, schwarze Haare handele, könnten die gefundenen Haare nicht von Barschel selbst stammen, wohl aber von seinen Mördern. Sie könnten auch über äußerliche Merkmale Aufschluss der betreffenden Person geben.

Kalinka hatte bereits 1992 ein Buch über den Fall Barschel geschrieben, den er als Mord erkannte. Er selbst fungierte als Vorsitzender der Jungen Union in Schleswig Holstein und saß zwischen 1977 und der jüngsten Schleswig-Holstein-Wahl mehrfach für die CDU im Landtag. Er verdingte sich auch als Journalist. 1991 hatte er mit dem damaligen WELT-Chefredakteur Manfred Schell ein Sachbuch über das Ministerium für Staatssicherheit veröffentlichte. Kalinkas zweites Buch zum Barschel-Fall wurde sogar von Helmut Kohl positiv gewürdigt. Das Anliegen des CDU-Mannes, den Mord an dem in den Waffenhandel verstrickten Barschel aufzuklären, ist insofern bemerkenswert, als dass nicht nur Barschel, sondern auch anderen lokalen CDU-Größen Verwicklungen in den Waffenhandel nachgesagt wurden. Der vormalige Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg, der aus Kalinkas Wahlkreis Plön stammt, hatte 1992 vom Amt des Bundesverteidigungsministers zurücktreten müssen, weil er hinter dem Rücken des Bundestags den Leopard I-Panzer an die Türkei geliefert hatte. Ähnliche Embargodeals waren Barschel u.a. in der der U-Boot-Affäre nachgesagt worden. Die Verantwortlichen für den Mord an Barschel vermutet dessen Witwe nicht zuletzt in Bonn.

Der Leitende Oberstaatsanwalt a. D. Heinrich Wille, der in den 90ern gegen viele Widerstände den Barschel-Fall neu aufrollte und ebenfalls von Mord ausgeht, knüpft an die neue Spur allerdings keine großen Erwartungen. Eine nahe liegende Erklärung für die Haare sei beim Hotelpersonal zu vermuten, etwa beim seinerzeit zuständigen südländischen Zimmermädchen. Dieses war damals illegal beschäftigt gewesen, so dass es bei der Spurensicherung nicht berücksichtigt wurde. Von den Verdächtigen, etwa dem Mann fürs Grobe des Südafrikanischen Geheimdienstes Dirk Stoffberg, dem NSA/CIA-Hitman "Ross Wood" bzw. "Tom Sunde" sowie von den iranischen Schattenmännern, mit denen Barschel in Genf zu tun hatte, werden Vergleichsproben ebenfalls schwerlich zu haben sein.