Keine Erholung auf dem US-Häusermarkt

Der Ausgangspunkt der Krise wartet statt mit einer Erholung mit einem Negativrekord auf

Es begann am US-Immobilienmarkt Spekulationsblase in den USA platzt. Und angesichts dessen Bedeutung konnte leicht vorhergesagt werden, dass es keine reale Stabilisierung der US-Ökonomie geben wird, solange es keine Stabilisierung am Häusermarkt gibt (siehe Und noch ein Hilfspaket für die USA). Und die Daten vom US-Häusermarkt sind schlecht, sehr schlecht. Das wirft ein trübes Licht auf die mögliche Erholung der Konjunktur.

Negativrekord-Jahr 2009

Ähnlich wie die Kauflaune (vgl. dazu: Will Obama wirklich das Geld der Steuerzahler von den Banken zurückholen?) hellt sich auch die Baulaune nicht auf. Im Gegenteil trübt sie sich offensichtlich sogar immer weiter ein. So wurden im Dezember erneut 4 Prozent weniger Bauten begonnen als im ohnehin schlechten Vormonat. Das ist ein neuer Negativrekord. Das gesamte Jahr 2009 war so schlecht, dass es alle Negativrekorde gebrochen hat. Das Handelsministerium teilte am Mittwoch in einer Vorrausschätzung mit, dass im vergangenen Jahr mit dem Bau von 554.000 Häusern begonnen wurde. Das sind sogar 39 Prozent weniger als 2008, als es noch 906.000 waren. Was die extrem miesen Daten auf dem Häusermarkt unterstreicht, ist die Tatsache, dass schon der Wert 2008 der schlechteste war, seit mit den Aufzeichnungen von Daten 1959 begonnen wurde.

So darf nicht verwundern, wenn die Popularität von US-Präsident Barack Obama rapide fällt. Ihm fällt die zu zaghafte Unterstützung der gestressten Hausbesitzer auf die Füße. Sein hochgejubeltes "HAMP"-Programm ( Home Affordable Modification Program/), damit Eigenheimbesitzer ihre Häuser nicht verlieren, darf als peinlicher Fehlschlag bezeichnet werden. Deshalb steigt die Zahl der Zwangsversteigerung auf immer neue Rekorde. 2009 kamen insgesamt schon 2,82 Millionen Häuser unter den Hammer. Das ist der höchste Wert, seitdem das Analyseunternehmen RealtyTrac mit der Datenerhebung begann. Üblicherweise werden jährlich in den USA etwa 800.000 Häuser zwangsversteigert. Nun waren es 2009 also gut zwei Millionen mehr. Das sind ungezählte Schicksale, millionenfache Verzweiflung für die, die quasi alles verlieren und nicht selten auf der Straße stehen.

Rekord an Zwangsvollstreckungen wird erwartet

Das Wall Street Journal rechnet Obama vor, dass gerade einmal 760.000 Hausbesitzer probeweise von dem Programm profitierten, für das 75 Milliarden US-Dollar bereitgestellt wurden. In nur lächerlichen 31.000 Fällen sei es zu permanenten Modifikationen der Zinslast oder der Verringerung monatlichen Zahlungen gekommen. Eine Erfolgsquote von nur 1 Prozent innerhalb von einem Jahr. "This means that up to 99% of eligible homeowners struggling with their mortgage payments have been unable thus far to modify their loans.". Deshalb schätzt RealtyTrac, dass die Zahl der Zwangsvollstreckungen auch 2010 erneut einen Rekord erklimmen wird und dann schon gut drei Millionen US-Eigenheime versteigert werden. Eine Karte im Internet setzt die Misere ins Bild, hinter der sich enormer sozialer Sprengstoff auftürmt. Je röter das Bild, desto schlimmer die Lage und die roten Bereiche wachsen.

Es sind vor allem zwei Faktoren, die zu dieser Situation führen: Vor allem ist die weiter steigende Arbeitslosigkeit zu nennen und die Tatsache, dass wegen fallender Immobilienpreise viele Häuser nicht einmal mehr die Hypotheken wert sind, die auf ihnen lasten. Da helfen eben keine statistischen Tricks, mit denen die Arbeitslosenquote von 10,2 Prozent auf 10 Prozent aufgehübscht wurde, wenn die reale Zahl der Arbeitslosen steigt. Tatsächlich dürfte sie im Dezember sogar eher um mehr als eine halbe Million zugenommen haben, statt der 85.000, die offiziell eingeräumt werden. Die hohe Zahl von Arbeitslosen spiegelt sich in den vielen Kreditausfällen wieder. Die haben 2009 zu einem massiven Bankensterben geführt. Mit 140 kollabierten so viele Banken, wie seit der Sparkassenkrise 1992 nicht mehr. 2007 stürzten dagegen nur drei Banken ab und 2008 waren es 25.

Immobilienmarkt: das Schlimmste steht noch bevor

Die Kreditausfälle lasten auch auf der Federal Housing Administration (FHA), die rund ein Drittel aller Immobiliendarlehen in den USA versichert. Sie musste schon die Prämien von 1,75 auf 2,25 Prozent erhöhen und hat die Kreditbedingungen verschärft, womit die Bautätigkeit weiter abnimmt, die Verluste sich im Sektor erhöhen, Beschäftigte entlassen werden, deren Kredite faul werden. Die FHA wird schon von einer Ausfallrate geplagt, die bei 14 Prozent liegt, und ihre Rücklagen werden immer knapper. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass auch die FHA vor dem Kollaps steht (siehe Banken müssen die US-Einlagensicherung retten). So taucht mit ihr ein neuer großer Rettungskandidat auf, nachdem sogar schon die US-Einlagensicherungsbehörde wegen dem Bankensterben gerettet werden musste.

Experten gehen davon aus, dass das Schlimmste auf dem Immobilienmarkt ohnehin noch bevorsteht. Das hat damit zu tun, dass riesige Überkapazitäten existieren. Die Rate von leer stehenden Objekten liegt bei etwa 10 Prozent. Zudem läuft im April die zaghafte Fördermaßnahe von Obama aus, mit der er versucht den Häusermarkt zu stützen. Den Steuergutschein über 8000 US-Dollar hatte er im November noch einmal verlängert. Da die Zwangsversteigerungen aber weiter zunehmen, wird sich angesichts des Leerstands der Druck auf die Preise weiter erhöhen. Geschätzt wird, dass die Hauspreise im laufenden Jahr weitere 15 bis 20 Prozent nachgeben, womit dann erneut eine große Zahl Hypotheken faul wird.

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