Keine Namen bitte

Klimaskeptiker reagieren erstaunlich verschnupft - eine Broschüre des Umweltbundesamts nennt Namen und erntet Kritik und Nazivergleiche dafür

Das Umweltbundesamt hat in seiner Broschüre " Und sie erwärmt sich doch - Was steckt hinter der Debatte um den Klimawandel?" nicht nur den Stand der Forschung zum Klimawandel zusammengetragen, sondern auch die aktuelle Diskussion und Polemik darüber beleuchtet. Unter anderem nimmt das UBA auch die Klimaskeptikerszene hierzulande unter die Lupe und verletzt damit anscheinend einige Eitelkeiten. UBA: "In Deutschland haben die 'Klimawandelskeptiker' bei Weitem nicht so einen großen Einfluss in Öffentlichkeit und Politik wie in den USA. ... Aber auch hierzulande werden Zweifel verbreitet. Mit Thesen, die dem wissenschaftlichen Konsens widersprechen."

Als prominente Beispiele werden unter anderen genannt: Das Buch " Die kalte Sonne. Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet" von den RWE-Mitarbeitern Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning. Der EIKE-Verein, der den menschengemachten Klimawandel als naturwissenschaftlich nicht begründete These und Klimapolitik als einen Vorwand ablehnt, Wirtschaft und Bevölkerung zu bevormunden und mit Abgaben zu belasten. Auch die Kolumnenserie von Dirk Maxeiner und Michael Miersch wird als Veröffentlichung genannt, deren Inhalte "nicht mit dem Kenntnisstand der Klimawissenschaft übereinstimmen".

Eigentlich eine sachliche Feststellung, denn schließlich handelt es sich um eine Klimaskeptikerkolumne und kein Sachbuch, doch Maxeiner reagierte verschnupft und sagte, er sei zwar Kritik wegen abweichender Meinung gewohnt, die "UBA-Schelte" sei aber ein Skandal. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau erwägt u.a. Maxeiner nun wegen Rufschädigung juristisch gegen das UBA vorzugehen. Und Vahrenholt hat inzwischen einen Beschwerdebrief an den UBA-Präsidenten geschrieben. Das UBA selbst nimmt für sich in Anspruch, auch eine staatliche Stelle dürfe sich kritisch äußern, es müsse doch erlaubt sein, "in der wissenschaftlichen Diskussion Ross und Reiter zu benennen". Die Bewertungen der Journalisten seien jedenfalls nicht "ehrabschneidend".

Das trifft eher schon auf den unterirdischen Nazivergleich zu, den der Publizist Henryk M. Broder als Reaktion auf die UBA-Nennung seiner Kollegen in der Welt brachte. Broder: "Man soll mit Vergleichen vorsichtig umgehen, vor allem, wenn das Dritte Reich als Kulisse herangezogen wird. ... Aber manchmal gibt es doch verblüffende Ähnlichkeiten oder Parallelen, die von einer erstaunlichen Kontinuität des Denkens und Handelns zeugen. Es gab im Dritten Reich eine Reichsfilmkammer, die das deutsche Filmwesen kontrollierte. ... Es gibt mittlerweile eine 'Bundesklimakammer', die unter dem Namen Umweltbundesamt firmiert." Wer hätte gedacht, dass gerade Journalisten dermaßen unsouverän und humorlos auf die UBA-Veröffentlichung reagieren würden.