Keine Zeit, ich muss faulenzen

Die Deutschen haben nach eigenen Angaben wenig Freizeit und wenn, dann wird quer durch alle Generationen gefaulenzt

Oft begegnen sie uns an der Supermarktkasse und haben wenig Zeit. Die Rede ist von rastlosen Rentnern, die hektisch zwischen Nebenjob, Kinderbetreuung, Arztbesuch und Einkauf hin- und herpendeln. Doch scheinen diese eine zwar auffällige, aber kleine Minderheit zu sein. Nur 10% der Senioren gaben einer Studie zufolge an, zu wenig Zeit zu haben. 25% sagten, sie hätten zu viel Freizeit. Insgesamt 6.000 Bundesbürger aller Altersstufen wurden für die jetzt vorgestellte Studie "Freizeit Monitor 2011" befragt, die jährlich die Freizeitaktivitäten der Deutschen beleuchtet.

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Freizeit ist ungleich verteilt. Von den 14- bis17-jährigen,bis zu den Jungsenioren (50-64 Jahre), haben die Deutschen (nach eigenen Angaben) zu wenig Zeit zur Verfügung. Während immerhin 34% sagen, zu wenig Zeit zu haben, sind nur 12% der Meinung über zu viel Freizeit zu verfügen. Etwa vier Stunden hat jeder Bundesbürger an einem durchschnittlichen Werktag an Freizeit. Familien stehen dabei am schlechtesten da. Sie sind die einzige Gruppe, wo eine deutliche Mehrheit (55%) von sich behauptet, zu wenig Zeit zu haben. Und tatsächlich, ganze 3,10 Stunden bleiben hier übrig. Jugendliche und Rentner können sich dagegen an fast 4,5 Stunden Tagesfreizeit erfreuen.

Doch wie nutzen die Deutschen ihre Freizeit? Wer nun denkt, dass zuerst einmal das Eigenheim hochgezogen wird, das Auto umsorgt oder in Garage und Keller wahre Heimwerkerorgien gefeiert werden, der irrt gewaltig. Faulenzen ist angesagt. Im Zeitalter vermehrten Arbeitsstresses gehen die Bundesbürger in ihrer Freizeit doch lieber beschaulichen Tätigkeiten nach. Und da steht an erster Stelle des Deutschen liebstes Kind. Nein, nicht das Auto, der Fernseher ist es. Hier sind sich alle Generationen einig. 97% der Befragten sehen regelmäßig fern. Hier hat sich in den letzten Jahren nichts geändert. Auch Telefonieren und Lesen rangieren immer noch auf den vorderen Plätzen. Mit dabei in den "Top-Ten" ist das Ausschlafen. Alle Generationen frönen auch wochentags diesem "Laster". Nur die Familien nicht.

Der Computer schafft es nur maximal auf den vierten Platz und das auch nur bei den jungen Erwachsenen. Email und Internet landen noch weiter hinten. Die vergleichsweise geringe Nutzung der neuen Medien scheint auch die Autoren der Studie überrascht zu haben: "Realistisch muss die Beliebtheit des Internets eingestuft werden. Auch wenn mittlerweile der überwiegende Teil der Bevölkerung die Möglichkeit hat, online zu gehen, nutzt dies nicht einmal jeder zweite Bundesbürger."

Auch viele Klischees lassen sich mit der Studie belegen. "Kaffetrinken" gehört bei den Älteren einfach dazu, während man bei Jüngeren diese Freizeitaktivität in den "Top-Ten" vergeblich sucht. Frauen starten öfter einen Einkaufsbummel als Männer, pflegen sich mehr und telefonieren häufiger. Männer dagegen verbringen mehr Zeit beim Heimwerken, sehen Sportveranstaltungen oder gehen in die Kneipe. Dafür besuchen Frauen häufiger den Gottesdienst. Warum wurde leider nicht erfragt.

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