Keine kleine Eiszeit

Auch wenn die Sonnenfleckenzyklen in den nächsten Jahrzehnten eine Pause machen sollten, würde dies Folgen der Treibhausgasemissionen nicht kompensieren.

Die Sonne ist nicht nur unverzichtbar für das meiste Leben auf der Erde, sie ist auch ihre einzige Wärmequelle, sieht man einmal von den geringen Mengen an Wärme ab, die aus dem radioaktiven Zerfall und der bei der Entstehung der Erde entstandene Wärme aus dem Inneren die Erdoberfläche erreicht. Die von unserm Muttergestirn einfallende Wärme wird von Ozean- und Atmosphärenströmungen über den ganzen Planeten verteilt, sie ist sozusagen der Motor des Klimasystems. Ein Motor, der nicht immer mit gleicher Leistung läuft, wie seit langem bekannt ist.

Die Sonne hat mitunter dunkle Flecken, die in einem Rhythmus von etwa elf Jahren kommen und gehen. Manchmal bleiben sie auch längere Zeit ganz aus, wie wir aus alten chinesischen Aufzeichnungen wissen. Die Zeiten ohne oder mit sehr wenigen Flecken gehen mit einer um einige wenige Prozent geringeren Sonnenstrahlung einher, was zunächst paradox klingt, aber die Erklärung ist einfach: Am Rande der Flecken dringt besonders heißes Material aus dem Inneren an die Oberfläche, so dass die Intensität der Strahlung insgesamt größer ist.

Ab etwa der Mitte des 17. Jahrhundert bis in das frühe 18.Jahrhundert blieben die Sonnenflecken fast ganz aus. Diese Zeit nennen Forscher das Maunder-Minimum, das mit der sogenannten kleinen Eiszeit in Verbindung gebracht, einer Zeit besonders niedriger Temperaturen in weiteren Teilen der Nordhalbkugel (ob die kleine Eiszeit ein globales Phänomen war, ist umstritten).

Georg Feulner und Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) haben sich gefragt, was wohl passieren würde, wenn wir in den nächsten Jahrzehnten erneut ein derartiges Minimum erlebten. Immerhin ist die Sonnenaktivität derzeit besonders niedrig. Also haben sie die Daten einer verminderten Sonneneinstrahlung in ein gekoppeltes Klimamodell eingegeben, das Ozeane, Landoberflächen und die Atmosphäre umfasst, und nachgeschaut, wie in etwa das Klima aussähe.

Das Ergebnis war ernüchternd. Der Effekt der Treibhausgase würde kaum kompensiert. Lediglich um maximal 0,3 Grad Celsius würde ein ausgedehntes Sonnenflecken-Minimum das globale Klima abkühlen. "Die Vorstellung, dass es zu einer neuen Kleinen Eiszeit kommt, sollte die Sonne tatsächlich in eine lange Ruhephase eintreten, ist falsch", sagt Georg Feulner, der Leiter der Studie, unweiter: "Ein neues großes Minimum der Sonnenaktivität würde die starke Erwärmung nicht verhindern, die bei unvermindertem Treibhausgas-Ausstoß zu erwarten ist."

Für Feulner und Rahmstorf, die ihre Arbeit Mitte der Woche in den Geophysical Research Letters publiziert haben, wird dieses Resultat sicherlich nicht überraschend gekommen sein. Seit es in den 1990er Jahren einmal eine längere Auseinandersetzung über die Rolle der Sonnenflecken für das Erdklima gegeben hat, haben Klimawissenschaftler die Schwankungen der Sonnenintensität mit ihren Modellen untersucht und wissen daher von dem begrenzten Einfluss. Auf der PIK-homepage ist die Arbeit der beiden etwas ausführlicher dargestellt.