"Killerspiel"-Zwangspause zum Wählen

Am Sonntag zwischen 15 und 16 Uhr wollen Server, Communities und Foren abschalten, damit ihre Teilnehmern wählen gehen

Heute zwischen 15 und 16 Uhr wollen eine Reihe von Spiele-Servern, Communities und Foren ihre Angebote ganz oder teilweise abschalten. Das soll die Teilnehmer dazu bewegen, ihr Wahllokal aufzusuchen und ihre Stimme abzugeben. An der von Marius Laabs aus Bielefeld ins Leben gerufenen Aktion Server abschalten, wählen gehen! beteiligen sich unter anderem unter anderem die Community Counter-Strike.de, das Forum mods.de und xtream-eSports.de.

Eine explizite Wahlempfehlung beziehungsweise Nicht-Empfehlung hat Laabs nicht ausgesprochen – diesen Job übernahmen Politiker wie der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günter Beckstein, der sich in Nürnberg als Anhänger einer im so genannten "Kölner Aufruf" propagierten Verschwörungstheorie zu erkennen gab, nach der, so der CSU-Politiker, "das Spiel Counter-Strike von der US-Army entwickelt [wurde], um die Gewaltschwelle bei den Soldaten herabzusetzen." "Derartige Spiele", so Beckstein "gehören nicht nur zensiert, sondern verboten!"

Auch der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, fordert ein komplettes Verbot von "Killerspielen". FDP, Grüne und Linke sprachen sich dagegen ebenso wie die Piraten gegen eine solche verfassungsrechtlich hochproblematische Regelung aus. Allerdings ist fraglich, inwieweit Oppositionsparteien, die den Schutz vor Zensur nicht als Kernthema sehen, in Koalitionsverhandlungen auf einer Gegnerschaft zu einem Spieleverbot beharren. In Sachsen etwa schloss die FDP in der letzten Woche einen Koalitionsvertrag mit der CDU, in dem von den im Wahlkampf vertretenen Positionen zum Schutz vor staatlicher Überwachung nicht mehr viel zu finden ist.