Kinderarmut und Armut allgemein nehmen in Europa zu

Spanien ist nach Angaben der Caritas bei der Kinderarmut nun auf den zweiten Platz hinter Rumänien vorgerückt

"Der verletzlichste Teil der Gesellschaft zahlt die Konsequenzen der Krise", erklärte Jorge Nuño-Mayer, Generalsekretär von Caritas Europa. Nach den fatalen Ergebnissen, welche die Studie über die Auswirkungen der Krise und der Austeritätspolitik auf die Bevölkerung 2013 zutage gefördert hatte, stellt die neue Studie über die Kosten für die Menschen dieser Politik ein noch schlechteres Zeugnis aus.

Dass Nuño-Mayer von einem "unfairen Europa" spricht und Alternativen zur Kürzungs- und Sparpolitik fordert, hat vor allem damit zu tun, dass die Kinderarmut in Europa in den letzten Jahren auf durchschnittlich 21,4% gestiegen ist. Das große Euroland Spanien kommt in dem Bericht in dabei besonders schlecht weg. Denn die Caritas zeigt auf, dass die Kinderarmut in Spanien dramatisch auf fast 30% angestiegen ist. Die Caritas bezieht sich auf Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Demnach ist Spanien nun hinter Rumänien (34,6%) schon auf den zweiten Platz vorgerückt und liegt nun noch vor Bulgarien und Griechenland.

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Insgesamt seien in Spanien schon 28,2% und damit 13 Millionen Menschen von "Armut bedroht", "arm" oder "extrem arm". Weil die Löhne breit gesenkt wurden, ist die Zahl derer, die sogar mit einem Job als arm gelten, weil ihr Einkommen unter 60% des Durchschnittseinkommens liegt, auf 12,3% angestiegen. Auch hier liegt Spanien an der Spitze und wird nur von Rumänien (19,2%) und Griechenland (15,1%) übertroffen. Die "working poor" kommen in Spanien zu den knapp sechs Millionen Menschen hinzu (knapp 26%), die im Land arbeitslos sind. Von ihnen erhalten immer weniger Menschen noch eine staatliche Unterstützung. Deshalb unterstreicht der Bericht auch, dass oft Renten oder Pensionen die einzige Einnahmequelle in Haushalten seien. Bei der Arbeitslosigkeit wird Spanien nur von Griechenland übertroffen. Beide Länder liegen auch mit einer Jugendarbeitslosigkeitsquote von über 50% an der Spitze, streicht die Caritas heraus. Die größte Zahl alter Menschen, die von Armut bedroht sind, weist Zypern mit 29,3% aus.

Es ist auffällig, dass die schlechtesten Ergebnisse im Euroraum die Länder zeigen, denen wegen Rettungsmaßnahmen die Programme der Troika aufgezwungen wurden. So sind auch die Zahlen für Irland und Portugal schlecht und auch dort steigt die Zahl derer drastisch, die zur Auswanderung gezwungen sind. Für den Caritas Europa Generalsekretär ist klar: "Die Austeritätsmassnahmen haben bei der Lösung der Probleme versagt." Nuño-Mayer weist auf den krassen Widerspruch zur Strategie "Europa2020" hin.

Damit sollte Armut und soziale Ausgrenzung abgebaut, nachhaltiges Wachstum geschaffen und die Zahl der Schulabbrecher verringert werden. Doch genau das Gegenteil ist in den letzten Jahren der Fall. Von den politischen Verantwortlichen wird deshalb gefordert, die sozialen Bedürfnisse der Bevölkerung vor ökonomische Interessen zu stellen und mehr Geld in die Schaffung von Arbeitsplätzen zu investieren.

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