Klima: 1,1 Grad wärmer als zum Beginn des Industriezeitalters

Die globalen Durchschnittstemperaturen von 2013 bis 2017 verglichen mit dem Durchschnitt der Jahre 1951 bis 1980. In den gelben, orangenen und roten Gebieten sind die Durchschnittstemperaturen gestiegen. Bild: NASA/GSFC/Scientific Visualization Studio)

Die WMO, der Dachverband der nationalen Wetterdienste, hat seine Kurz-Analyse für 2017 vorgelegt

Nach Angaben der Weltmeteorologieorganisation WMO in Genf war das zurückliegende Jahr eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das gehe aus den Auswertungen der fünf wichtigsten weltweit geführten Temperaturdatensätzen hervor. 2017 habe rund 1,1 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau gelegen.

Im einzelnen werden diese reglmäßig von Arbeitsgruppen beim japanischen Wetterdienst, bei der US-Behörde für Ozeane und Atmosphäre NOAA, im Europäischen Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersagen ECMWF, im US-amerikanische Goddard Institute for Space Studies der NASA GISS und im britischen Hadley Centre des dortigen Wetterdienstes erstellt und gepflegt.

Demnach wird der Rekord von 2016 gehalten. 2015 und 2017 waren ziemlich nah beieinander. In der Analyse des GISS ist 2017 etwas wärmer als 2015, in anderen, wie der des japanischen Wetterdienstes, hat 2015 knapp die Nase vorn. Das könnte daran liegen, dass die Mehrheit der Gruppen die polnahen Regionen wegen der geringen von dort vorliegenden Daten nicht berücksichtigen, das GISS aber sehr wohl.

Im vergangenen Winter war es nämlich rund um den Nordpol deutlich wärmer als gewöhnlich gewesen, was sich in den meisten Datensätzen nicht widerspiegelt. Nicht dass man auf Spitzbergen in Badehose hätte ins Freie gehen können. Die Temperaturen lagen zwar unter Null Grad Celsius, doch meist erheblich über dem sonst für die Jahreszeit üblichen. Im Ergebnis hatte sich nur vergleichsweise wenig neues Eis gebildet und das Maximum der Meereis-Ausdehnung im März war 2017 entsprechend das kleinste je beobachtete gewesen.

Die Datensätze werden auf sehr unterschiedliche Art gewonnen. Die meisten beruhen auf Messungen der Wetter- und Klimanetzwerke sowie auf direkten Messungen der Oberflächentemperatur der Meere. Die Stationsmessdaten werden üblicher Weise unter anderem auf den Effekt der städtischen Wärmeinseln untersucht.

Dabei handelt es sich um einen künstlichen Effekt in Daten, die in der Nähe von Städten gewonnen wurden. Wenn im Laufe der Jahrzehnte die Bebauung in ihrer Nachbarschaft zugenommen hat, dann findet sich in ihren Daten ein dadurch verursachter positiver Trend. Den kann man entweder durch den Vergleich mit einer nahe gelegenen ländlichen Station heraus korrigieren, wie es einige Wissenschaftler machen.

Oder man kann die entsprechende Zeitreihe der Station gänzlich aussortieren, wie es andere machen. Dazu werden am GISS die geografischen Daten der Messstationen mit Nachtaufnahmen von Satelliten verglichen. Ist es an dem entsprechenden Punkt sehr hell, so handelt es sich um eine städtische Station und die Messreihe wird aussortiert.

Die Zeitreihen des ECMWF sind im Gegensatz dazu aus den Daten extrahiert, mit denen die Programme der Wettervorhersage gespeist werden. In diese werden alle zwölf Stunden die neuesten von den Wetterstationen, Satelliten, Ozeanbojen und Radiosonden aufgenommenen Daten eingegeben und mit einer Vorhersage für diesen Zeitpunkt aufgrund der vorherigen Eingaben abgeglichen.

Die derart optimierten Daten sind erfahrungsgemäß die best-mögliche Annäherung an den Ist-Zustand der Atmosphäre. (Für Interessierte, die sich ein wenig mit Computersimulationen auskennen, ist der Vorgang hier erklärt.) Die Zeitreihen des ECMWF reichen bis 1979 zurück.

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