Klima: Meeresspiegel steigt schneller

Pazifik bei Funafuti, Tuvalu

(Bild:  Stefan Lins / CC BY-SA 2.0 )

Beschleunigung kommt für Klimawissenschaftler jedoch nicht überraschend. Allerdings veranschaulicht sie die Gefahren, die für die Küsten drohen

Der Anstieg des Meeresspiegel beschleunigt sich, wie eine neue Studie zeigt, die am Montag und Dienstag auch hierzulande für Schlagzeilen sorgte. Doch anders als von den meisten Medien, wie etwa der Deutschen Welle oder der Welt, dargestellt, kommt die Erkenntnis keineswegs überraschend. Auch bedeutet sie nicht, dass die Prognosen für den weiteren Anstieg bis zum Ende des Jahrhunderts nach oben korrigiert werden müssten.

Worum geht es? Steve Nerem von der Universität von Colorado in Boulder (USA) hat gemeinsam mit Kollegen am Montag in dem angesehenen Fachblatt Proceedings of the National Academy of Science of the United States of America (PNAS) einen Artikel veröffentlicht. Darin berichten sie über eine Analyse der Satellitendaten, die es seit dem Beginn der 1990er Jahre gibt.

Mit empfindlichen Höhenmessgeräten kann vom Satelliten aus die Oberfläche der Ozeane erfasst und Höhenänderungen registriert werden. Die Daten zeigen einen Trend von etwas mehr als drei Millimeter pro Jahr mit einer Unsicherheit von 0,4 Millimeter.

Würde der Anstieg der Meere in diesem Tempo weitergehen, so wäre der Meeresspiegel im globalen Mittel im Jahre 2100 etwas mehr als 30 Zentimeter höher als im Jahre 2000. Die meisten Klimawissenschaftler, die sich mit der Entwicklung der Ozeane und der großen Eismassen befassen halten das aber für eine viel zu optimistische Aussage.

Ihre Erwartungen liegen eher bei 80 Zentimetern bis einem Meter, weil sich weder der Eisschwund auf Grönland und in der Antarktis noch die Erwärmung der Meere linear fortsetzen werden. Eher sind sich beschleunigende Prozesse oder gar sprunghafte Ereignisse zu erwarten. (Die Erwärmung der Meere trägt durch Ausdehnung des Wassers zum Meeresspiegelanstieg bei.)

Dazu passt, das Nerem und Kollegen in den Satellitendaten eine Beschleunigung ausgemacht haben. Diese beträgt 0,084 mm/a2, das heißt in zehn Jahren beträgt der Anstieg knapp vier und in 100 Jahren rund 11 Millimeter pro Jahr. Damit, so die Autoren, sei bei gleichbleibender Beschleunigung bis zum Ende des Jahrhunderts mit einem Anstieg um 65 (±12) Zentimeter zu rechnen.

Ein solches Ergebnis läge am unteren Ende der derzeitigen Erwartungen. Allerdings ist die große Frage, ob die Beschleunigung konstant bleibt oder ob sprunghafte Entwicklungen, die in nichtlinearen Systemen wie dem der Erde nicht unüblichich sind, den Meeresspiegelanstieg weiter steigern.

Außerdem bleibt anzumerken, dass der globale Meeresspiegel – wie die Autoren ausführlich erläutern – erheblichen mehrjährigen Schwankungen unterworfen ist. Die Autoren haben versucht, diese mit viel statistischem Aufwand aus den Daten herauszurechnen. Dennoch ist die Datenzeitreihe mit lediglich 25 Jahren sehr kurz. Schwankungen mit sehr langen Perioden machen daher die Aussagen über die Beschleunigung noch etwas unsicher.

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