Klimabilanz von Biotreibstoffen außerordentlich schlecht

UN-Umweltprogramm legt Bilanz vor.

Am Freitag veröffentlichte der Internationale Rat für nachhaltige Ressourcennutzung der UN einen Bericht, in dem die Treibhausgas-Bilanz verschiedener Biotreibstoffe mit der von fossilen Treibstoffen verglichen wird. Da Biotreibstoffe in der internationalen Klimapolitik als nominell CO2-neutral angesetzt werden, hofften viele Regierungen durch die Förderung von Biosprit ihre Emissionsreduktionsziele erreichen zu können. In der Folge stiegen die Nachfrage und die Produktion rasant. Seit 2000 wurde die Biodiesel-Produktion von weniger als einer auf elf Milliarden Liter und die Produktion von Bioethanol-Treibstoffmischungen auf 52 Milliarden Liter jährlich ausgeweitet.

Doch die Biotreibstoff-Herstellung schreibt schon seit längerem negative Schlagzeilen, seit der zunehmend in Großplantagen betriebene Anbau mit der Lebensmittelproduktion konkurriert und zusätzlich bisher unberührte natürliche Feucht- und Waldgebiete unter Monokultur genommen werden. Besonders Malaysia und Indonesien die zusammen vier Fünftel des Weltmarkts für Palmöl beliefern holzen ihre Regenwälder dafür großflächig ab.

Die Studie der UNEP kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass pro Liter Biodiesel aus Palmöl nicht mehr weniger, sondern 800 % mehr Treibhausgase als bei der Gewinnung und Nutzung fossilen Diesels in die Atmosphäre gelangen. Erfolgt der Anbau auf bisher ungenutzten Hochmooren, sind es bis zu 2000 %. Hier schlagen der Abbau der bisher gebundenen Biomasse und der Einsatz von Kunstdünger gleich doppelt zu Buche. Auch Bioethanol aus Mais hat demnach gegenüber dem fossilen Diesel eine um 5 % negative Bilanz.

Der Jatropha-Baum, der als Möglichkeit propagiert wurde, Biodiesel auch auf trockenen und nicht landwirtschftlich nutzbaren Flächen zu gewinnen, sei nur dann klimafreundlicher, wenn dafür nicht Buschland gerodet würde. In der Konsequenz heißt das: nur Jatropha-Plantagen die auf ehemaligen Landwirtschaftflächen wachsen, weisen eine gegenüber fossilem Diesel bessere Klimabilanz auf - verdrängen aber die lokale Landwirtschft. Nur die Ethanolproduktion aus Zuckerrohr in Brasilien sei gegenüber fossilem Sprit in der Klimabilanz positiv.

Dennoch, um zukünftig auch nur 10 % des Treibstoffbedarfs durch nachwachsende Rohstoffe zu decken, müsste die Anbaufläche weltweit auf 5 Mio. Quadratkilometer steigen, was netto bis zu 1 Mrd. Tonnen zusätzlicher Treibhausgase bedeuten würde. 170 bis 760 Mio. Tonnen eingespartem CO2 stünden dann aber 750 bis 1.830 Mio. Tonnen zusätzlicher Treibhausgase gegenüber. Daher sehen die Autoren für Biokraftstoffe weltweit nur eine Nebenrolle in der Energieversorgung, als Mittel der Emissionsreduktion sind sie ungeeignet.

Wenn schon, sollten vorrangig biologische Abfälle statt extra angebauter Pflanzen in Verfahren der "zweiten und dritten Generation" verwertet werden. Bei diesen wird die ganze Pflanze in flüssige Kohlenwasserstoffe umgewandelt. Vor allem müsse aber sichergestellt werden, dass Länder mit Nahrungsmittelknappheit nicht zu Biokraftstoff-Produzenten werden.

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