Klimaerwärmung ist nicht mehr aufzuhalten

Der Klimaexperte der Munich Re geht davon aus, dass extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Starkniederschläge auch in Deutschland weiter zunehmen und größere Schäden verursachen werden

Für Peter Höppe, dem Klimaexperten beim weltweit größten Rückversicherer Munich Re, ist der Zug schon abgefahren. Die Klimaerwärmung könne selbst mit den ambitioniertesten Klimaschutzmitteln nicht mehr gestoppt, sondern bestenfalls noch verlangsamt werden, sagte er dem Deutschlandradio Kultur.

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M) haben in einer eben veröffentlichten Studie dargelegt, dass mit einer entschiedenen und schnell eingeleiteten Reduzierung der CO2-Emissionen die Erwärmung zumindest bis 2100 noch auf 2 Grad begrenzt werden könnte. Danach dürfte aber auch nach ihrer Vermutung die globale Temperatur weiter steigen. Ähnlich sieht das Höppe. Die Menschheit könne noch mit strengen Klimaschutzzielen bewirken, ob die Temperatur bis 2100 nur um 2 Grad ansteigen wird, ansonsten könnte die globale Temperatur bis zu sechs Grad ansteigen. Höppe geht davon aus, dass es auch auf der nächsten Klimakonferenz in Cancun nicht zu einer Einigung über eine globale Reduktion der CO2-Emissionen kommen wird.

Höppe, der die Abteilung für Georisiken leitet, warnte, dass langfristig extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen zunehmen und die von ihnen verursachten Schäden größer werden. Anhand der Datenbank der Munich Re, für die seit 30 Jahren Daten über extreme Wetterereignisse gesammelt werden, könne man erkennen, dass "in den letzten Jahren im Mittel drei Mal so viele schadenrelevante Naturereignisse auftraten wie noch vor 30 Jahren". Insbesondere steige das Risiko für Hitzewellen, wie sie derzeit in Russland stattfindet, oder starke Niederschläge, vermutlich aber nicht für Tornados. Deutlich sei der Trend bei der Zunahme der tropischen Wirbelstürme und der Intensivierung in der Karibik.

Die Munich Re hat zwar in ihrem Geschäftsbericht für das erste Halbjahr 2010 einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro vorgelegt, der gehe aber vor allem auf die Gewinne durch die Kapitalanlage zurück. Ansonsten sei das erste Halbjahr von "außergewöhnlich hohen Belastungen durch Großschäden" geprägt gewesen. Der größte Schaden wurde vom Erdbeben in Chile verursacht, der drittgrößte Schaden in der Firmengeschichte nach dem Anschlag auf das World Trade Center (2001) und dem Wirbelsturm Katrina (2005).

Im zweiten Quartal entstand der größte Schaden durch die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko, die erwarteten Haftpflichtschäden seien aber derzeit noch nicht abzusehen. Munich Re betont, dass das Unglück "zu einer Neubewertung der Frage angemessener Versicherungsdeckungen und Selbstbehalte bei technischen Großprojekten sowie von Haftpflichtrisiken im Rahmen solcher Großprojekte" führen werden. Das wird also teurer für Unternehmen werden. Man rechnet mit weiteren Großschäden durch Naturkatastrophen und geht von "einer tendenziell höheren Wirbelsturmwahrscheinlichkeit (aus), da es dieses Jahr keinen sogenannten "El-Nino-Effekt" geben wird und die Oberflächentemperaturen des Wassers im Atlantik auf Rekordniveau liegen".

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